Der doppelte Adrian Weyermann
Text/Bilder: Monthy
Als ich kürzlich mit Adi Weyermann per email über seine bevorstehende Studiozeit konversierte, schloss ich mit der Frage ab, wie denn selbiges am letzten Tag seines Aufenthaltes wohl aussehen würde. Am 22. September konnte ich nun selbst einen Augenschein im Sound Development Studio nehmen. Adi hatte die Arbeiten zu seinen geheimnissvollen zwei CDs praktisch abgeschlossen und mir fiel gleich auf, dass da gar kein so grosses Chaos herrschte, wie er es mir angekündigt hatte. Adi rechtfertigt sich und die seinen: "Es ist halt schon fast wieder aufgeräumt. – ist richtig leer…" Sagt's und hebt seine Stimme zum akustischen Beweis mittels Echo. "ONE, TWO… Vorher war's natürlich schon voll und auf seine Art schon auch ein Chaos." Als erstes, so schrieb Adi, hänge er im Studio jeweils Bilder auf, um eine positive Atmosphäre zu schaffen. Die Bilder hat er zum grössten Teil auch schon wieder abgehängt. – "Dort an der Wand hängt noch ein Bild von den Beatles von hinten aufgenommen auf der Bühne. Und da drüben hat's noch eines von David Hawkney, einem Maler, den ich super finde und der etwas zum Thema gemalt hat, nämlich 'Pool'…"
Und damit wären wir beim Thema: "Wood/Pool" – Die Aufnahmen im Sound Development Studio in Zürich Enge dienen Adi nun zur Produktion zweier CDs, die allerdings nicht zeitgleich sondern gestaffelt erscheinen werden. Warum zwei CDs, Adi? – "Ou… weil sich in den letzten zwei Jahren heraus kristalisiert hat, dass es eigentlich zwei Adis gibt. Zwei Seiten irgendwie. Die eine ist sehr leise und vielleicht auch etwas trauriger. Und die andere, die sich vor allem in den El Lokal-Sessions gezeigt hat, ein etwas lauterer Adi, der auch gerne mal mit anderen Musikern zusammen Stoff gibt." Ich spekuliere, ob das eventuell sogar noch eine Reaktion auf sein Solo-Debut "La Poeta" sei. Für das wunderschöne, etwas melancholische Werk war Weyermann über die Massen kritisiert und fast schon als Weichei hingestellt worden. Will er solchen Reaktionen mit der Auftrennung des leisen vom lauten Adi vorbeugen? – "An und für sich ist es eine Entwicklung via Home, welches beide Seiten ja dann stärker vereint hat. Im Nachhinein habe ich bemerkt, dass man das vielleicht nicht durchhören will, weil es einen ständig von einer Ecke in die andere wirft. Ich fand, wenn ich diese beiden Stimmungen konsequent entwickeln will, muss ich sie auf zwei CDs aufteilen."
Eine tatsächlich korrekte Weiterentwicklung. Adi legt mir seinen inneren Zwist verständlich dar: "Es gibt zwei Punkte, die für mich nicht mehr vereinbar sind. Die bluesigen Sachen auf der Platte 'Pool' sind mit den fast kammermusikalischen Songs von 'Wood' nicht auf einer CD vereinbar. Ausser vielleicht auf dem weissen Album der Beatles. Und wenn du das durchhörst – das würde heute niemand mehr wagen." Also hat Adi einen anderen Weg ersonnen. Seine schizophrenen Vorstellungen konnte er nun im Studio getrennt umsetzen. Das Resultat? Adi: "Beide Platten sollen sehr roh, sehr einfach tönen. 'Wood' ist die leise Platte. Ich denke dabei an Wald, was fast schon etwas Sakrales hat. Als ob man in einer Kirche sitzen würde. Auf der anderen Seite steht 'Pool' eher dafür, sich zu vergnügen."
Adi hat mit dem Montagslokal, das er immer zu Teilen alleine bestreitet und dabei bis zu vier Instrumente parallel spielt, enorm viel Erfahrung gesammelt. Wie wirkte sich diese nun im Studio aus, wo auch wieder andere Musiker mit von der Partie waren? Adi: "Ich habe sicher gelernt, mehr auf die anderen einzugehen. Musik zu machen, im schönsten Sinn des Wortes 'machen' – zusammen! Das Montagslokal ist für mich schon ein Lehrgang und es war jetzt sehr hilfreich." Ich stelle mir vor, dass dieser Erfahrungsaufbau auch zu einem verfeinerten Songwriting führen sollte. Doch während ich die Frage formuliere, dämmert mir, was ich wirklich wissen will: Hat Adi von Natur aus ein begnadetes Gehör und ein gutes Vorstellungsvermögen? – "Ich habe schon bei Crank immer in Arrangements gedacht. Wenn ein Song entstanden ist, wusste ich immer recht schnell, wie die anderen Instrumente tönen werden." Adi hört also die Melodien und Rhythmen, bevor sie entstehen, was mich als Nicht-Könner fasziniert. Er relativiert ein wenig: "Ich mache ja auch in einem klassischen Sinn Popmusik und kann mir einfach die Strukturen relativ schnell vorstellen. Ich habe die Songs diesmal mit den Musikern im Kopf entwickelt. Ich kenne sie auch sehr gut und wusste, was ich von ihnen zu erwarten habe. Wo jeder seine Stärken hat. Und das hat sich dann auch absolut bestätigt."
Adrian Weyermann hat seine beiden bisherigen Alben bei renommierten Labels heraus gegeben. Dabei hat sich viel entwickelt. Der ganz grosse Durchbruch aber gelang noch nicht. Da geht es Adi wie vielen anderen, die dran sind und es bleiben müssen. Allgemein gilt, dass das dritte Album ein richtungweisendes ist. Ich stelle also augenzwinkernd fest, es sei villeicht keine schlechte Idee, das vierte Album auch gleich schon mit aufzunehmen… Adi lacht herzlich: "Wenn du das mit Leuten einer Plattenfirma besprichst, sind die sicher eher vorsichtig. Ich bin aber in der glücklichen Lage, nirgendwo verpflichtet zu sein. Für mich ist dies ganz einfach die Idealform, weil es einfach diese zwei Seiten von mir zeigt." Und der Musiker Weyermann wird sich unabhängig von den Verkaufszahlen und dem Erfolg von "Pool" und "Wood" sowieso immer weiter entwickeln. Montagslokal für Montagslokal. Die vielzitierte Erwartungshaltung beschränkt sich also eigentich auf Adis Umfeld – "Ja, für mich hört es ja nicht nach der dritten Platte auf, sondern es fängt erst an." Er stockt einen Moment und berichtigt: "also: nach der dritten und vierten Platte… Ein Teil der Überlegung ist auch, dass ich bald Vater werde und so noch eine CD auf der Seite habe… Sie erscheinen übrigens im Februar, die laute, und Ende Sommer, die leise…" Dass der Mensch sich im Laufe der Zeit ändert, ist eine Tatsache. Verändert sich damit auch das Songwriting? Adi: "Sehr, finde ich. Ist auch ein Spruch, den ich immer wieder bringe: Dass Weiterentwicklung das Geheimnis meines Misserfolgs ist. Dass ich immer wieder nach neuen Dingen suche. Wenn man die ersten Schritte mit Crank hört, als ich sechzehn war, dann ist eine Entwicklung absolut nicht abzustreiten