The W.O.L.V.E.S – Untamable/Unzähmbar (Eisbrand)
Bild: Cover
Text: Bäumli
The W.O.L.V.E.S – das sind Smoovefella, Sunnycyde und Swisher am Mic unterstützt von DJ Jesaya an den Ones-and-Twos. Ja ja, St. Gallen will’s mal wieder wissen. Aber was bei Rap aus der Ostschweiz immer wieder als erstes auffällt, ist der Fakt, dass die Raps in Hoch- und nicht in Schweizerdeutsch gekickt werden. Ob dies nun daran liegt, dass St.Galler wie auch Thurgauer gerne wegen ihrem Dialekt gehänselt, ausgelacht oder in den schlimmsten Fällen gar ignoriert werden, sei dahingestellt. Ich finde es schade, dass die Wölfe die Raps nicht in Dialekt kicken, denn der Track „Saint City Stand Up“ lebt von der Power des schweizerdeutschen Refrains und zeigt, was wohl drin läge. Und immerhin lassen sie uns in eben diesem Track auch wissen, wie stolz sie auf ihre Stadt sind und wie wohl sie sich dort fühlen („Ich fühl’ mich wohl in St.Gallen, auf jeden Mann“). Aber die Sprache ist nur eine der drei Seite der Raps. Es geht auch um Inhalt und Flow. Und in Sache Flow geht auf diesem Release doch einiges. Alle drei MCs kicken ihre Rhymes auf konstant hohem Niveau. Für Abwechslung ist dank der Tatsache, dass sich drei Zeremonienmeister ein Mic teilen, gesorgt. Soviel zum ,Wie’. Weiter mit dem ‚Was’. Smoovefella, Sunnycyde und Swisher representen auf „Saint City Stand Up“, „Como Me Gusto“ und „Back For More“ („Sind Wolves doch beissen am Mic wie Pitbulls / die Scheisse die klingt gut, wir zeigen die Richtung“), üben auf „Illusions“ mit der Unterstützung von Greis und Priya Ragu Kritik am Lauf der Dinge („Endlich angekommen in der reichen Schweiz / jetzt krieg’ ich bestimmt ’n Job mein Cash ein trautes Heim / doch basiert alles auf Geben und Nehmen“), verschaffen sich Luft auf „Let It Out“ („Wird es dir zu viel? / wir öffnen das Ventil! / Es staut sich an? Lass’ es raus! Angepisst? Lass’ es raus! / Wenn ich mich aufrege auf jeden ich lass’ es raus!“), batteln auf „Unzähmbar“ („Catch’em if you can / rappe ich zu schnell? / Texte sind am brenn’ / Merk’ die mein Appell / Hände will ich sehn“), teachen mit den US-Underground-Legenden Heltah Skeltah auf „Wolves vs. The Apes“ (Lasst uns ’nen Cypher hitten bis die Kids alles über alte Zeiten wissen / mit Smif’n’Wessun bevor sie sich die Coco Beez nannten […] Advanced Chemistry, fremd im eignen Land frag Torch / doch genug von mir Rockness fall’ mir ins Wort“) und gewähren tiefe Einblicke ins Seelenleben auf „Keep Your Head Up“ („Der Vergangenheit nachtrauern, ach Mann lass sie doch ruh’n / Lass’ die Zeit weiterticken für was zurückpuhl’n?“). Und auch die Beats vermögen auf der ganzen Ebene zu überzeugen. Beatlieferanten für „Untamable/Unzähmbar“ sind die Herren Claud und Smoovefella. Claud ist mittlerweile dank seinen Produktionen für die Sektion Kuchikäschtli sowie für Grössen aus dem Nachbarland wie zum Beispiel für den Mindener MC Curse eine feste Grösse im Business. Die Beats, die er für die St.Galler Wölfe gebastelt hat, sind claud-typisch mal sehr soulig und dann wieder funky. Smoovefella hat die Beats für „Keep Your Head Up“ und „Wolves vs. The Apes“ – die Collabo mit Heltah Skeltah – geschmiedet und mit letzteren dank wuchtigem Orchester-Sample und sehr geilem Drum-Pattern für mein Empfinden für das Highlight der Produktion gesorgt. Unter dem Strich ist „Untamable/Unzähmbar“ ein durchaus gelungenes Release der Wölfe. Minuspunkte kriegt dieses Release von mir nur, weil ich das Gefühl habe, dass dieser Produktion noch die gewisse Portion Eigenständigkeit, oder anders gesagt, das gewisse Etwas fehlt. Überraschungsmomente bleiben leider aus. Potential ist mehr als genug vorhanden. Deshalb freue ich mich schon heute auf mehr Geheule von den W.O.L.V.E.S.