Webba: Aus dem Schatten des Hiphop
26.1.2012/Text: Ko:L; Bilder: Promo
„Ich will aus dem Schatten des Hiphop treten.“ Das antwortet der Berner Rapper Webba auf die Frage, ob die Zeit gekommen sei, aus dem Schatten grosser Hauptstadt-Namen wie Greis, Baze oder Wurzel 5 zu treten. In der Tat ist er kein typischer Rapper. Sein aktuelles Album „Uswärts“ kokettiert mehr mit Drum’n’Bass oder Dubstep als mit den alten Grössen des Rap – und schon gar nicht mit den neuen. „Das letzte Album ‚Daheim’ war ein klassisches Rap-Album – mit dem ich aber diese Phase auch bewusst abschliessen wollte“, sagt Webba. Die Absicht: „Ich wollte mich musikalisch befreien – und fühle mich heute tatsächlich so frei, wie nie zuvor.“
Drei Jahre hat er sich Zeit genommen, um mit „Uswärts“ einen richtig schön grossen Schritt in diese neue Freiheit zu tun. Und er ist – wie es sich bei richtigen Neuanfängen oder Starts in neue Kapitel gehört – die ganze Übung zweimal angegangen. „Nach dem Song ‚Churzschluss’ und dem Clip, den ich letztes Jahr mit Steff la Cheffe machen durfte, war mir erst so richtig klar, in welche Richtung es musikalisch gehen soll.“ Songs, die bereits da waren, wurden geschmissen und Webba legte die ganze Platte noch einmal neu auf. „Es brauchte eine Weile, bis mir das effektive Konzept für ‚Uswärts’ klar war. Als dieser Moment da war, ging alles ganz schnell.“ In wenigen Monaten war das Album, das praktisch ausschliesslich in Eigenregie entstanden ist, fertig. 12 Songs, die musikalisch und inhaltlich eine kompakte Einheit bilden. „’Daheim’ war ein Album, das man auch im Wohnzimmer anhören kann. ‚Uswärts’ ist die Party-Platte für die Clubs“, bringt Webba die Idee hinter dem neuen Album auf einen einfachen Punkt.
Genauso, wie sich Webba beim Bauen der Sounds eine riesige Mühe macht, all die elektronischen Synthesizerklänge und tief wummernden Bässe selber zu kreieren und miteinander oszillieren zu lassen, genauso haben er und die Decoy-Crew – befreundete grafische Artisten – das optische Layout von „Uswärts“ inklusive sämtlichen Begleit-Elementen wie Clip, Flyer und Plakate mit grossen Aufwand von A-Z in Handarbeit durchgestylt. „Ich bin eindeutig Star Wars – aber nur die ersten drei Filme“, antwortet der Rapper auf die Frage, ob er Star Wars oder Star Trek sei. Warum nur die alten Filme – und nicht einmal Episode drei, in der sich der süsse Anakin definitiv zum schwarzen Rächer Darth Vader wandelt? „In den neuen Filmen ist alles zu gross, zu viel. In den alten Filme ist durch die handgezeichneten Kulissen und die offensichtliche Liebe zum Detail die ganze akribische Kleinarbeit, die dahinter steckt, erkennbar.“
In Anlehnung an diese filmischen Meisterwerke habe er „Uswärts“ grafisch umsetzen wollen. „So sind Unmengen von Fotos entstanden, die wir vor allem für den Clip und die Story im Booklet verwendet haben – aber die uns jetzt für alle möglichen grafischen Produkte noch zur Verfügung stehen.“ Zum Beispiel für eine Flyer, mit dem Webba für dafür wirbt, auf die Waldbühne des Gurtenfestivals gevotet zu werden. Noch ist es aber nicht soweit – zuerst steht wird „Uswärts“ noch so richtig zelebriert. Am 17. Februar tauft Webba das Album – standesgemäss „daheim“ im Dachstock der Berner Reitschule. Und er verspricht ein echtes Spektakel. „Wir wollen die Show richtig gross aufmachen mit Visuals und vielen Überraschungen.“ Es scheint fast zwanghaft: Webba will gross anrichten und scheut dafür scheinbar keinen Aufwand.