Je später der Abend desto Welken die Gäste
Text/Bilder: Piggy
Nicht alles was zartrosa erscheint, ist eine Blume und so hatte ich nach meiner eher wilden Begegnung mit Colafluid im Volkshaus Basel auch nicht gerade Blümchen-Sex im Sinn, als ich abermals nach Backstage hinunter stiefelte. Mit den einheimischen Deutschrockern von Welken, genauer mit Sänger Pascal und Drummer Olivier, konnte ich mich aber wenigstens wieder zivilisiert unterhalten und fürs Foto selbst in Pose werfen. Die galanten Jungs, momentan mit Video "Liebestriebe" am Start, servierten mir sogar ein Glas Wein, als sie mir nach dem Gig gutgelaunt Auskunft gaben.
Unverblümt frage ich also, ob es denn für eine Basler Band logisch sei, Deutschrock zu machen? Olivier meint: "Das war glaube ich mehr eine Frage der Zeit. Vor allem bei Pascal hat es sich schon länger abgezeichnet, weil er auch noch ein Nebenprojekt mit deutschen Texten hatte. Wir hatten damals noch Stereotype, als das dann in den Boden gefahren war, wollten wir ganz neu anfangen. Pasci hatte dann die Idee und wir haben es mit einer Bandprobe versucht. Bald war klar, das ist es!" Ob Pascal sich denn so besser ausdrücken könne, will ich von ihm wissen. - "Ja, klar. Ich sage immer, es ist zurück zu meinen Wurzeln. Ich habe mit deutschen Texten angefangen, habe mich dann über zehn Jahre im Englischen versucht und dann fast zwangsläufig und logisch zurück gefunden. Nach Schreibblockaden und den Fragen ´Was will ich sagen?´, ´Wie könnte ich es besser machen´ fand ich heraus - ich habe in deutscher Sprache einfach ein besseres Sprachgefühl."
Vielleicht spielt der Standortvorteil mit Deutschland ja zumindest für die Vermarktung? Wieder trifft es den Drummer - "Ich glaube für die Deutschen liegt Basel nicht hinter dem Rhein sondern genau so hinter den Alpen. Das macht keinen Unterschied." Den Sänger konfrontiere ich mit seinem eigenen Reim "Glücklich sein wie ein rosa Glücksschwein", der mich logischerweise wegen meiner Lieblingsfarbe zu einer Frage inspirierte. Viele Songwriter sagen ja, Glück mache träge. Wie sieht´s aus, Pasci? - "Ich habe seit ein paar Monaten keine Lieder geschrieben. Es geht mir also gut..." Ebenso kurz hält er sich in Bezug auf meine Bitte, die Textzeile "die schwierigste Art zu leben, ist Sterben" für mich auszudeutschen. - "Ja... halt, durchhalten ist schwieriger als das schnelle Ende suchen." - "Aber du rauchst nicht?" - "Aufgehört, mehrere Jahre..."
Nach dem Smalltalk nutze ich die Gelegenheit des schon zweiten Gigs mit Colafluid auf der Mini-Tour, und versuche zu ergründen, ob die zusammen passen und ob das überhaupt eine Rolle spielt. Oli: "Das Tragische ist ja, das man als Schweizer Band sagen muss, zwei Konzerte sind schon eine Tour... Ob wir gut zusammen passen? Ich find´s fast toller, wenn etwas Abwechslung dabei ist. Dann fällt auch das ganze Vergleichen weg, welche Band besser war. Wir sind sicher zwei Bands mit ausgeprägten Stilen, von dem her passen wir zusammen." Auch für Pasci habe ich natürlich noch eine Szene-Frage und zwar betreffend seines Undergod-T-Shirts und der Erwähnung der Band im Booklet zur aktuellen Welken-CD Wieder Sehen - "Wir haben den Proberaum seit etwa sieben Jahren Tür an Tür mit ihnen."
Welken wurde mal aus Lärmgründen ein Konzert versagt - für eine Rockband eigentlich positiv, heisst man ist laut... Olivier: "Da streckst du das Mikrofon aber jetzt genau dem richtigen hin, weil das Schlagzeug am lautesten ist. Den Rest kannst du regulieren. Ich finde die hundert Dezibel Grenze eigentlich ganz okay, ich merke in Deutschland an Konzerten jeweils, dass ich der einzige bin der Ohrenstöpsel trägt. Aber ich finde es tragisch, wenn man dann bei hundert Dezibel trotzdem nicht spielen kann in Zofingen, weils zu laut ist." Das konnten Welken aber mittlerweile nachholen: "Ich musste mein ganzes Schlagzeug total abkleben, was zwar für einen kleinen Raum sinnvoll ist und auch ganz ok tönte. Es braucht in einer Stadt wie Zofingen auch einen guten Rockclub und das ist der Ochsen und es sind gute Leute darauf. Es ist nur schade, dass dann durch Lärmreglemente an der letzten Bastion dieser Kultur gerüttelt wird."
Lärm machen ist ja auch sehr männlich. Frönt Oli dem auch sonst im Leben? - "Ich renne nicht brüllend durchs Leben, nein." Wie war das jetzt mit dem Blümchen-Sex? - Liebestriebe, lass es uns tun... Pasci: "Die expliziten Texte sind auch Spielereien. Wir werden täglich damit berieselt und in Englisch ist man sich solche Texte gewohnt, in Deutsch horcht man aber plötzlich auf. ´Mein Rock´n´Roll´ und ´Liebestriebe´ sind für mich Versuche, deutsch zu machen, was man in Englisch immer hört, aber nicht wahrnimmt. Anstatt ´yeah, yeah´ machen die Fans bei deutschen Texten irgendwie ´Ou, Ou´..." - Kein Wunder also, ist diese zarte Pflanze am Welken... Wer sie unterstützen möchte, kann das beispielsweise via untenstehendem Link mit Kauf der CD.