Whysome wollen mit drittem Album die Trauer beenden
Text: Eve
Bilder: Monthy
Als Indipop wurden die fünf Basler Whysome am Stonehill auf der Bühne angekündigt. Was ich dann aber hörte, ging für mich viel eher Richtung Independent, Industrial-Rock. Viktor, der Sänger der Band, meinte später beim Interview dazu: „Es ist eigentlich Pop-Rock, der zwischendurch einfach ein bisschen härter ist. So empfinde ich es jedenfalls...“ Wie auch immer, ihre Songs sind fantastisch, fesselnd und leben von spannenden, sorgfältig in die Songs gesponnenen Details. Es dauert, nach Viktor, meist relativ lange, bis so ein Prachtexemplar fertig ist. Das funktioniere so: „Jemand bringt eine Idee, meist ich, und dann wird diese bearbeitet. Wir haben kein Studio, aber den Bandrom so umgebaut, damit wir am Computer etwas aufnehmen und anhören können.“ Und dort wird dann ausgearbeitet, strukturiert, geformt und an eben diesen Details gefeilt. „Es ist viel zeitsparender so beim Ausprobieren. Deshalb geht’s auch, ohne dass immer alle Fünf dort sein müssen. Es reicht dann, wenn zwei bis drei anwesend sind und eine Idee auszufeilen. So ist es sowieso einfacher, als wenn alle dabei sind und an den Ideen herumflicken.“
Wie lange so ein Prozess dauert ist unterschiedlich, entweder sehr fix oder äußerst schleppend. „`Goodbye` zum Beispiel war in einer halben Stunde fertig. `Moody waters` dagegen, ist in über zwei Monaten entstanden... Es geht entweder ganz schnell oder sehr, sehr lange. So ein Mittelding haben wir eigentlich nicht.“ Dann haben wir also in unterschiedlich langer Zeit so ein Werk fertig, was dann? So ein Song wachse, entwickle und entfalte sich, wurde ich belehrt. „Sogar Songs, die wir auf die Alben genommen haben, haben wir wieder verändert. Es gibt nur zwei, drei Songs die sind immer gleich geblieben. Aber es ist ja auch langweilig, wenn man’s immer gleich spielt, von dem her ändert sich immer wieder etwas.“
„Wenn wir nur drei viertel Stunden haben, oder fünfzig Minuten, dann improvisieren wir wenig. Aber gewisse Konzerte, da spielen wir fünf Stunden und dann improvisieren wir wirklich sehr viel. Aber so wie Heute, in so kurzer Zeit, da willst du einfach die Songs gut rüberbringen.“ Beantwortete der Sänger meine Frage nach Spontanität. „Ich spiele sowieso nur die Rhythmusgitarre und da improvisiere ich nicht und von den Gesangsmelodien her sowieso nicht, nur dazwischen. Aber der Yves an der Geige, der improvisiert meistens. Er hat zwar eine Linie die er macht, aber dann verändert er die eigentlich immer wieder.“ Die Musik von Whysome ist zwar druckvoll, aber doch recht düster und melancholisch. Auch wenn gerade das sehr zu diesem regnerischen Abend passte, für einmal konnte nicht das Wetter für die gedrückte Stimmung verantwortlich gemacht werden. „Viel von dieser Trauer hängt sicher von den Texten ab und natürlich von mir. Aber es ist schon so, wir sind nicht die fröhlichste Band.“ Lachte Viktor. „Aber ich hoffe, dass es trotzdem immer noch einen kleinen, positiven Schimmer dabei hat. Ich glaube nicht, dass man nach unserem Auftritt deprimiert Nachhause geht.“
Effektiv steckt viel von dieser Traurigkeit in den Texten. Die Basler haben sich Tod, Verlust und Abschiednehmen als Themen für ihre ersten drei Werke gewählt. „Wir hatten schon die Idee, dass wir über diese drei Alben den Tod von jemandem verarbeiten, so die drei Stufen. Das Erste fand ich eher ruhig, das Zweite recht chaotisch und überproduziert und das Dritte soll wieder etwas ruhiger werden. Es wird sicher positiver sein. Aber genau dass passt ja auch in die Situation hinein, in der wir waren, oder wo vor allem ich drin war. Natürlich geht nicht jeder Song um diese drei Inhalte aber es sind eigentlich schon die Hauptkernpunkte. Und klar, auf dem neuen Album, dass wird dann das Dritte sein und die Songs haben wir eigentlich schon, da ist dann zum Beispiel `Goodbye` und das soll sagen - so, fertig jetzt, tschüss, geh, ich lass dich gehen...“
Für die eigene Zukunft ist Viktor eher bescheiden. „Ich hatte einen Zusammenbruch vor zwei Jahren und hatte lange, bis ich wieder fit war. Das habe ich jetzt erreicht und das möchte ich auch behalten, dann bin ich schon zufrieden.“ Für die Musik ist er schon etwas anspruchsvoller. „Wir würden halt einfach sehr gerne das dritte Album aufnehmen und zwar möglichst bald. Das wäre das Ziel von uns. Wir haben die Songs, wir wissen wies klingen soll und haben auch endlich einen Techniker gefunden der das, was wir wollen, auch umsetzen kann. Leider müssen wir einfach noch das blöde Geld zusammensammeln oder zusammenverdienen, damit wir die Aufnahmen finanzieren können. Aber dann kommt’s, glaube ich, sehr gut.“ Um die Wartezeit bis zum Geldsegen zu verkürzen, wollen Whysome erst einmal eine EP herausgeben, was in nächster Zukunft geschehen soll.