William White and The Emergency: Entspannt – nach 30 Gigs
Text/Bilder: Maurus
Spätestens nach den ersten zwei Songs mochte man es ihm nicht mehr richtig glauben. Er sei heute sehr nervös, hat William White schon ganz zu Beginn des rund zweistündigen Konzertes gewarnt. Was das Publikum aber an diesem Abend zu hören bekam, war alles andere als angespannt. William White und seine Band The Emergency traten sehr locker auf, selten machte es den Anschein, als seien sie nervös oder angestrengt. Der Grund für diese Ungezwungenheit besteht sicher auch in der gemeinsamen Bühnen- und Tourerfahrung – notabene 30 Konzerte in den letzten 58 Tagen. Diese Band harmoniert, das merkte man von Beginn weg. Zuerst blieb die Band allerdings noch im Hintergrund und William enterte bewaffnet mit akustischer Gitarre alleine die Bühne, um zwei Songs zum besten zu geben. Die beiden Akustik-Nummern zu Beginn erinnerten stark an Jack Johnson. Dazu erklärte William vor dem Konzert im Interview: „Mich stresst der Vergleich nicht – vielleicht habe ich mich aber auch einfach daran gewöhnt. Wir beide machen halt simple Musik mit einem recht ähnlichen Vibe. Trotzdem ahme ich ihn nicht nach – dass wir beide ähnliche Musik machen ist einfach ein glücklicher Zufall!“ Und mit einem Lächeln legte er nach: „Was auch immer...auf jeden Fall hoffe ich, dass ich auch so viele Platten wie Jack verkaufen werde!“
Nach den beiden Solo-Nummern kam dann auch seine Band The Emergency zum Einsatz. Die Jungs sind, wie sich im Konzert definitiv herausstellte, ein Glücksfall. Alle beherrschen ihre Instrumente bestens und sind nach den vielen Konzerten mittlerweile sehr gut aufeinander eingestellt. „Ich bin mit dieser Band viel näher zu dem gekommen, was ich eigentlich machen will. Das Gefühl, dass man gute Entscheidungen getroffen hat im Leben, bestätigt sich im Moment“, meinte Ex-Liz-Libido-Frontmann William. Die Tour zum Album „Undone“ verlief denn auch ohne Probleme und der Sänger zieht ein sehr positives Fazit. „Im Welschland sind wir schon sehr bekannt und das gleiche versuchen wir nun auch in der Deutschschweiz zu erreichen. Aber wir nehmen uns dazu Zeit, denn als Indipendent und auch als Band braucht man eine gewisse Anlaufszeit – die gönnen wir uns“, sagte William optimistisch. In der Tat ist es schon jetzt recht überraschend welch hohe Wellen „Undone“, das unter Eigenregie und ohne Majorlabel im Rücken aufgenommen wurde, schlägt. Die Songs wurden übrigens vorletztes Jahr im Studio von einem gewissen David Langhard – besser bekannt als Admiral James T. – aufgenommen. Die Bedingungen im Studio waren nicht optimal, was aber die Qualität des Albums nicht mindert, sondern im Gegenteil eher noch erhöht. William White: „Das Album wurde recht rudimentär aufgenommen, das Studio war zur Aufnahmezeit teilweise defekt, deshalb konnte ich nicht alles so machen, wie ich wollte. Das war vielleicht auch gut so. Ich wollte nie ein hoch poliertes Produkt rausbringen, lieber etwas Gewöhnliches fürs Ohr, damit es nicht nervt oder stresst“. Herausgekommen ist ein kleines, aber sehr feines Stück Musik, das sich irgendwo zwischen Singer/Songwriter und Funkrock einordnen lässt.
Doch wieder zurück zum Konzert, das übrigens den Endpunkt einer Konzertserie darstellte – es war der letzte Gig vor einer dreiwöchigen Pause. Dafür hatte sich die Band einen schönen Ort ausgesucht, das El Lokal in Zürich. Hierhin zwischen Dinosaurier-Skelett und Maradona-Porträt passte die Musik der Band bestens. Den Anfang machten die beiden Single-Veröffentlichungen des Albums, nämlich das ruhig-lockere ‚Rain’ (welches die Band auch in einer Reggae-Version als Zugabe zum besten gaben) und das motivierende ‚Peace’. Weiter gings mit Songs vom Album „Undone“, wobei das kraftvolle Reggae-Stück ‚Misfit’ und das treibende ‚Let it sink in’ herausstachen. Obwohl es hier schon, und im weiteren Verlauf des Konzertes immer wieder, zu Ausfällen des Basses kam, tat dies der Energie der Musik und der guten Stimmung im El Lokal keinen Abbruch.
Mit dem zweiten Teil des Konzertes zeigte sich auch die andere musikalische Seite der Band. Das Tanzbein konnte nun definitiv geschwungen werden zu funkigen und rockigen Songs. Was auf der CD zuweilen noch etwas gewöhnungsbedürftig klingt, kam beim Konzert natürlich und ehrlich rüber. William zeigte noch eine weitere Klangfarbe seiner kraftvollen Stimme und sang etwa bei ‚So much love’ im Falsett. Man glaubt es William aufs Wort, wenn er sagt: „Unter anderem sind die Wailers oder auch Curtis Mayfield meine grössten Inspirationsquellen. Grosse Bands, grosser Sound, viel Soul, viel Feeling – immer natürliche Musik, keine Maschinerie; die Musik spricht und nicht sonst etwas!“ Und genau dies hat er auch in seiner Musik umgesetzt.
Auf die Frage, was denn die Pläne von William White und seiner Band seien, antwortete er mir: „Im Sommer kommen all die Festivals und wir werden versuchen, öfters im Ausland zu spielen. Ich hoffe, dass wir frühestens nächstes Jahr um diese Zeit eine neue Platte haben. Aber wenn nicht, dann ist das auch nicht schlimm. Ich stresse mich nicht und glaube an die Zeit. Ansonsten wollen wir einfach spielen – ich will einen Namen für mich und meine Band schaffen, auch ausserhalb der Schweiz!“ Das nenne ich eine gesunde Einstellung zum Musikmachen...