Woodrock 2004 mit Waldschrat und Hudergrete
Text/Bilder: MonthyChristo
Mitarbeit: Sly
Ehrensache, dass Trespass eine Delegation ans Woodrock 2004 entsendet hat, einem kleinen und feinen Festival gelegen im Wald zwischen Emmenmatt und Arni. Wem das noch nicht genug sagt: westliches Emmental, also ein Heimspiel für uns. Beim Gasthaus Waldhäusern luden die freundlichen Waldgeister 2004 schon zum elften Mal zur Party zwischen den Bäumen. Das Röhren des Platzhirsches kündigte am Freitag und Samstag interessante Schweizer Acts auf der Bühne an, die auf dem Gurten den Platzverhältnissen zum Opfer gefallen ist. Richtig, gemeint ist die Waldbühne und sie hat ´uf üsere Waudhüsere´ einen neuen und absolut würdigen Platz gefunden. Acts, die also im Gurtenprogramm nun keinen Platz mehr haben, dürfen im Emmental spielen. Dafür werden die Woodrock-Organisatoren entlastet, zahlt doch das Gurtenfestival die Gagen der Künstler.
Beansprucht wurde die Waldbühne heuer von so verschiedenen Bands wie den Fun-Coverern Tomazobi, die pro Songs circa drei bekannte Stücke zu einem neuen mischen und mit lustiger Mundart darbringen, den Lausanner Indy-Rockern Favez, den ausgeflippten z dürnige Sieche, dem momentan meistangesagten Chlyklass-Act Greis & Baze mit fetten Reimen, der irisch-stämmigen aber nur in der Schweiz musikalisch aktiven Folkerin Shirley Grimes, Apalooza-Spezi Ray Wilko oder Bündnerflaisch mit ihrem brandheissen Bündner-Soul. Damit war einerseits für Abwechslung gesorgt, andererseits aber genauso für Qualität. Bedenkt man nämlich, dass hier Bands spielten, die entweder noch vor dem grossen Durchbruch stehen - Ausnahme Greis... - oder diesen im Ausland erarbeitet haben - wie Favez - ist es ganz einfach beeindruckend, was die Schweiz alles zu bieten hat. Diese "zweite" Garde meldete am Woodrock jedenfalls Ambitionen an.
Monthy als Waldschrat und Hudergrete Sly dort wo sich Fuchs und Hase "Gute Nacht" sagen - selbstredend aber hatten wir viel mehr zu bequatschen als unsere tierischen Freunde. Die Radio-Interviews mit Favez und Greis findet ihr im ersten Teil der Sendung vom 09.08.04, die Artikel mit Shirley Grimes und Bündnerflaisch liegen auf. Dazu gibts Eindrücke in der Gallery, die Euch das nicht ganz alltägliche Woodrock-Feeling zu vermitteln versuchen. Ob man nämlich - wie am Freitag - den Regentropfen oder - wie am Samstag - den brennenden Sonnenstrahlen entfliehen will, das Blätterdach hoch über Bühnen und Bars bietet zuverlässigen Schutz und tut überdies auch ganz viel für die Atmosphäre. Zusammen mit der berührenden Gastfreundschaft der Veranstalter und dem natürlich-lockeren, zumeist einheimischen Publikum versprüht das Woodrock noch den ursprünglichen Openair-Charme des berühmten Fast-Namensvetters Woodstock. Irgendwie passte da auch das Freitagswetter zu und auf Waldhäusern sagt man ja nicht erst seit 2004: "Es rägnet - s isch äbe Woodrock..."
Trespass sagt seit heuer: "vo üsere Waudhüsere..." und das meinen wir genau so, beabsichtigen wir doch, auch nächstes Jahr wieder vorbei zu schauen. Und wer entweder romantisch veranlagt ist und gerne im freien Wald im (Doppel-)Schlafsack übernachtet oder wer gerne eins, zwei über den Durst trinkt ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, wo er oder sie am nächsten Morgen aufwacht, dem sei das Woodrock als Non-Stop-Event uneingeschränkt empfohlen. Alle anderen sollten zusehen, irgendwo in der Nähe ein Bett zu organisieren oder etwas weiter weg wild campieren. Am Festival selbst sind Zelte nämlich nicht der Brauch... Deswegen sollte man sich aber den Partyspass im Wald nicht nehmen lassen. Waldschrat oder Hudergrete zu sein, tut bei Monthy und Sly jedenfalls schon eine halbe Woche danach fast wieder not!