The Young Gods suchen Gefühle mit Technik
Text: Ko:L
Bilder:
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Bernhard und Franz sind happy. Vor ihrem Gig am Openair Lumnezia scheint die Abendsonne angenehm wärmend in das Tal des Lichts, die Stimmung ist sommerlich und friedlich. „Wenn’s regnet, wird’s manchmal etwas traurig“, meint Franz – möglicherweise nicht zuletzt in Anspielung auf den Matsch-Gig eine Woche zuvor am Gurtenfestival. Auch wenn ein Konzert nachts, mit allen Lichteffekten möglicherweise intensiver sei, ist die Freude auf die Show unübersehbar. Denn: „Die Musik der Young Gods mag deep sein. Aber sie ist nicht zwingend dark“, sagt der Frontmann der Lausanner Sampling-Götter. Eine Unterscheidung, die als spitzfindig betrachtet werden mag, die Franz aber wichtig ist. „Viele Leute interpretieren deepen Sound als dark, weil sie emotionell durchgeschüttelt werden“, glaubt er. Wohl wissend, dass Musik von jedem einzelnen anders interpretiert wird, ist seine Meinung klar: „Ich denke, unsere Musik ist schön und hell.“ Wenn auch bisweilen gewaltig und kräftig, wie Vulkan der ausbricht, wie er später ergänzt.
Just weil Musik und Geschmack in Franz’ Augen sehr relativ sind, hat er keine Mühe, wenn ihr Sound als dark angesehen wird. „Das hängt extrem vom Umfeld, in dem sich die Leute bewegen, ab. Wenn du den ganzen Tag NRJ hörst, findest du die Young Gods sehr dark. Wenn du ein anderes kulturelles Umfeld hast, wirst du’s eben nicht zwingend dark finden.“ Als ihr eigenes kulturelles Umfeld nennt Franz Treichler den Rock der Siebziger. „Aber auch die Achtziger und der Punk gehören dazu.“ Namen wie Beatles, Hendrix oder Floyd nennt er als Grund, weshalb er überhaupt angefangen hat, Musik zu machen.
„Irgendwann hörst du auf in Schubladen zu denken“, sagt Bernhard. „Wir haben einen Titel ‚Kissing the sun’. Das heisst nicht ‚Kissing the devil’. Aber je nach Standpunkt…“ So müssten sich die Young Gods heute, nach 22 Jahren Karriere, eigentlich pudelwohl fühlen – ist doch „Young Gods“ in all den Jahren fast zu einem eigenen Stil geworden. „Vielleicht. Aber wir sehen uns als Rockband, die technologische Hilfsmittel nutzt, um urbanen Sound zu machen“, bringt Franz seine Sicht der Band und ihrer Sounds auf den Punkt. Franz, der mit seiner Band im ausgehenden 20. Jahrhundert Musik mit den Mitteln des 21. Jahrhunderts machte – und sich dann doch nicht festlegen will, wann die Young Gods anfangen, die Musik des 22. Jahrhunderts zu machen. „Uns gäbs ohne Sampler nicht – genauso wenig wie viel HipHop oder Drum’n’Bass. Und heute ist alles digitalisiert, sodass Sampling überhaupt keine Bedeutung mehr hat.“ Und wieder ist alles relativ.
So relativ sogar, dass bei den Young Gods, denn Göttern von Elektronik und Samplingtechnologie im Rock, heute sogar die Lust aufkommt, etwas Akkustisches zu machen. „Nein, wir müssen nicht immer das Gegenteil von dem machen, was man von uns erwartet“, sagt Bernhard und lacht. Gerade das aktuelle Album „Super Ready Fragmenté“ sei ja „auch nicht vom Mars.“ Aber sich selber neuen Herausforderungen zu stellen, helfe der Band „jung, dynamisch und up to date zu bleiben.“ Deshalb entstehen neue Sachen bei den Young Gods nicht selten aus einem eigenen Drang heraus, „aber auch, weil wir für etwas Spezielles angefragt werden – oder die Möglichkeit kriegen, etwas Besonderes zu realisieren.“ Wie etwa der kommende Auftritt am For Noise Festival in Pully, an dem die Young Gods das Album „TV Sky“ an einem Stück in der Originalreihenfolge durchspielen. Für Bernhard eine besondere Herausforderung, weil er, als dieses Album entstand, noch kein junger Gott war. „Grossartig, in diese Songs eintauchen zu können“, freut er sich – und er hat den Wunsch, „einmal sämtliche Young Gods-Songs gespielt haben zu können. Dann erst bin ich ein richtiger Young God!“ Sagts und lacht herzhaft.
Nein, Franz und Bernhard sind gewiss keine obskuren oder gar schwermütigen Typen. Kein Wunder, kommt die Antwort auf die Frage, ob ihr Approach zur Musik emotionaler oder technischer Natur sei, wie aus der Kanone geschossen: „Emotionen sind das Wichtigste“, sagt Franz, ohne aber die Präzisierung zu unterlassen: „Wir nutzen technische Hilfsmittel, um Gefühle zu finden und zu vertonen.“