Yves Larock serviert reifen House
Text: Ko:L
Bilder: Yves Larock
„Es gibt in der aktuellen Szene sehr viele starke Songs“, sagt Yves Larock, „aber es gab auch früher grosse Nummern.“ Eine im ersten Moment banale Feststellung. Im zweiten Moment reift die Folgerung, dass da nicht einer spricht, der engstirnig sein Zeug durchziehen will, sondern offen an sein musikalisches Schaffen geht. „Ich bin kein Typ, der den alten Zeiten nachtrauert“, fährt der DJ fort, „Für mich gibt es einfach gute und weniger gute Stücke. Und gute Stücke gab es früher ebenso wie heute.“ Man könne deshalb seine Song-Auswahl, welche er für die offizielle Street Parade House Compilation getroffen hat, sehr wohl als den Versuch verstehen, eine Brücke zwischen den Pioniertagen des House und der aktuellen Szene zu schlagen. „Ich habe bewusst Remixes alter Klassiker, die zum Teil schön Vocal-lastig sind, eingebaut und von dort aus einen Bogen zu den heutigen Electro-Einflüssen geschlagen.“
So setzt Yves Larock mit seiner Auswahl und seinem Mix auf der Street Parade House Compilation ein klares Zeichen: Der Mann kann nicht nur leichtbekömmlichen Dance oder Mainstream-House à la „Rise up“ präsentieren… Für die Paraden-Compilation hat der sich 18 Tracks mit richtig viel Attitüde zusammengesucht, die Beats pumpen keck, der Elektro-Einschlag lässt sich nicht wegreden und trotzdem sorgen starke Vocals für die nötige Bodenhaftung und Melodie. Möglicherweise eines der wenigen Werke, das es schafft, einen Bogen zwischen alternden Puristen und jungen Konsum-Teens zu schlagen. Mit viel Feingefühl vermengt Yves Larock klassische Themen mit neuen Elementen und generiert so einen Sound, der unweigerlich in Nacken, Schultern, Hüfte, Beine, Knie und Füsse fährt.
Im Gespräch wird bald offensichtlich, dass Larock mit viel Spass an der Compilation für den grössten Event in Sachen Electronic Music in der Schweiz arbeitete. Gleichzeitig betont der Kosmopolit, dass es ihm überhaupt nichts ausmache, im Ausland bekannter zu sein, als in der heimischen Schweiz. „Ich bin ein sehr diskreter Mensch“, gesteht er. „Und ich liebe es, in Ruhe arbeiten zu können.“ Dass sein erster offizieller Auftrag für die Streetparade der Mix einer der offiziellen Compilations ist, bezeichnet Larock denn auch als Ehre. „Ich durfte vor ein oder zwei Jahren auf einer kleinen Bühne auflegen und jetzt das – das ist grossartig!“ Bei der Arbeit zum Album habe er völlig freie Hand gehabt, betont Larock. „So hatte ich die Möglichkeit, wirklich jene Musik auszusuchen und zusammen zu stellen, die ich selber gerne höre.“ Im Hinblick und in der Hoffnung auf schöne Sommertage, habe er zudem darauf geachtet, eher leichtbekömmliche Sounds zu mixen und nicht zu düster zu werden.
Es scheint, als wären das Leichte und Unbeschwerte am Ende eben doch Yves Larocks ganz grosser Trumpf. „Rise up“ – ein sommerlich unbeschwerter Floorfiller – hat ihn als in den letzten zwei Jahren um die ganze Welt gebracht; auch die House Compilation für die diesjährige Parade ist geprägt von tanzbarem Sound. „Ich trete sehr gerne live auf“, sagt Larock. „Nur im Studio werkeln, ohne die Reaktion des Publikums zu fühlen, ist nicht mein Ding.“ Deshalb jettet er Weekend für Weekend durch Europa und immer mehr auch in die USA, um die Tanzböden zum kochen zu bringen. Und: Er hat ein neues Album am Start, das zunächst in den USA, England und Frankreich herauskommen wird. „Weil dort noch keine CD von mir auf dem Markt ist“, erklärt der Westschweizer schlicht – und tönt an: „Es geht etwas mehr in Richtung Electro, aber Jaba, der schon bei ‚Rise up’ dabei war, ist auch wieder mit am Start.“