Yves Larock spricht Klartext
18.5.2011/Text: Ko:L, Bilder: Promo
„11.1“ heisst Yves Larock’s neue Compilation, die ab dem 20. Mai in den Läden steht. Der Romand setzt damit einmal mehr Massstäbe – und hebt sich vom bisweilen zähflüssigen Mix aus platten HipHop-Beats und einfältigen House-Sounds ab. Mit „11.1“ zementiert Larock seine Ruf als DJ, für den Clubbing und musikalische Attitüde sich durchaus gegenseitig ergänzen können. Immer wieder sind alte Klassiker zu finden – „Hide U“, hier in der Version von Sandy Rivera und Rae, sei als ein Beispiel erwähnt – welche Larock mit einem sanften musikalischen Update neu aufpoliert hat. Spährisch-melodiöse Sounds ziehen sich als roter Faden durch 18 Tracks; relaxt balanciert der Star-DJ auf der Kante zwischen Lounge und Floor. Und dabei ist sein Balance-Akt kein wackeliges Hin und Her, sondern ein entspannter Marsch schön geradeaus - nicht zuletzt auch mit seinem Track "Milky Way".
Dass er angefangen habe, als DJ zu arbeiten, verdanke er seinen Kollegen, sagt der Mann, der eigentlich Produzent war. „Sie sagten mir, ich soll anfangen, meine eigenen Sounds aufzulegen“, erklärt Larock, „und ich bekam Spass daran.“ Und weil Spass und Erfolg nicht selten einher gehen, ist Yves Larock heute der international möglicherweise gefragteste DJ der Schweiz. Das Interview führte er im Rahmen eines kurzen Promo-Zwischenhalts in der Schweiz. „Ich bin gestern aus den USA angekommen und reise schon bald wieder weiter nach Osten“, sagt Larock, der Paris und die Westschweiz in einem Atemzug sein Zuhause – und gesteht dabei: „Manchmal ermüdet die ewige Reiserei.“ Aber: „Ich arbeite oft während den Flügen“, sagt Yves Larock. „Die Atmosphäre an Flughäfen und in Flugzeugen ist manchmal sehr inspirierend.“ Und wenn diese Inspiration gerade fehlt, dann flüchtet er sich in Bücher, „meistens Klassiker“, weil er bei der Lektüre dieser grossen Werke gut abschalten könne. „Dann habe mich mal keine Musik und kein Studio und keine Gadgets um mich herum.“
Im Gespräch mit Larock kommt man nicht umhin, festzustellen, dass die Spitze der Schweizer Produzenten- und DJ-Szene sehr dünn ist – und kaum jemand neues nachzudrängen scheint. Yves Larock und DJ Antoine gelten seit Jahren als Branchenprimusse, Sir Colin, Christopher S, DJ Tatana oder Abstrichen Mr. DaNos können ebenfalls zu dieser Spitze gezählt werden. Woran liegt es, dass in einer Szene, in der ein Track nach sechs Monaten als Oldie gilt handkehrum immer die gleichen Namen auftauchen. „Ich weiss es nicht“, sagt Yves Larock,, mutmasst dann aber: „Vielleicht hat es damit zu tun, dass man heute mehr sein muss, als einfach ein DJ.“ Antoine etwa sei ein veritabler Unternehmer und auch er selber lebe bei weitem nicht nur vom DJing. „Diese Breite muss man sich erarbeiten, da sind Qualität und Ausdauer gefragt.“
Und dann äussert sich Yves Larock schon fast erschreckend ehrlich zu dem, was heute in den Clubs abgeht: „Mit der Kreativität ist es momentan nicht weit her, es kommt kaum was wirklich Neues.“ So sei es auch zu erklären, dass auch auf „11.1“ Tunes aus grossen Klassikern auftauchen. „Es gibt einfach diese ganz grossen Nummern, die immer und immer wieder neu interpretiert und überarbeitet werden und so immer und immer wieder auftauchen.“ Aber eben: Die grossen neuen Würfe seien derzeit kaum in Sicht. Warum? Vielleicht ist der Grund, den Yves für seine Liebe zu klassischer Literatur nennt, Antwort: „Wenn du jahrelang in Clubs unterwegs bist, wirst du intellektuell nur bedingt gefordert – da brauchst du mal was Anspruchsvolles.“