Zero in on: Kraft ist ihr Antrieb
Text: Ko:L
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„Mag sein, dass meine Stimme ähnlich klingt, wie jene von Placebo und dass wir druckvollen Sound im Stil von Muse machen. Aber wir haben unsere ersten Songs gemacht, bevor Muse und Placebo bekannt wurden.“ Es ist offensichtlich: Zero in On-Frontmann Elias hat den Vergleich mit den britischen Ikonen modernen Rocks satt. „Ich bewundere Mathey Belamy, was er macht ist grossartig. Aber ich bin ich und nicht Mathew Belamy. Und ich will weder sein, wie er, noch ihn kopieren.“ Und als ob dieses Statement nicht schon deutlich genug wäre, doppelt Drummer Mattia nach: „Ich kannte weder Muse, noch Placebo, als Elias und ich angefangen haben, zusammen Musik zu machen.“ Bassist Gian-Andrea gesteht: „Ich habe erst vor zwei Jahren meine erste Muse-CD gekauft“, und outet sich damit quasi als Modefan der Emorock-Überflieger aus England.
Doch die musikalische, inhaltliche und emotionale Nähe von Bands wie Muse, Killers, Zero in On oder Placebo lässt sich nicht wegdiskutieren. Die drei Tessiner haben im Gegenteil diese Nähe mit ihrem Auftritt auf der Scène du Château am letzten Tag des Rock oz Arènes 2007 eher noch untermauert. Auch wenn sie um viertel nach fünf auf der kleinsten der drei Bühnen antreten musste, lieferten sie eine geballte Ladung Emorock ab; wuterfüllt und frustriert, versetzt mit Posen, wie sie der junge Freddie Mercury nicht besser hätte reissen können, präsentierte Elias die Songs der beiden Alben „Oblivion Fair“ und „Pillow Talk“, während Mattia und Gian-Andrea einen satten Boden dazu lieferten.
Da drängt sich die Frage auf, wie es kommt, dass Band in verschiedensten Ländern der Welt, unabhängig von einander praktisch zur gleichen Zeit einen Sound zu kreieren, der zu einer neuen Stil-Schublade wird. „Die Melancholie ist Teil unserer Welt“, ist für Elias klar – und damit meint er wohl nicht zuletzt auch den Frust, den eine Welt, die sich immer schneller an sensiblen, feinfühligen Menschen vorbeidreht, in ebendiesen hervorruft. Die Konsequenz: Wut, Frust und Melancholie ballen sich zu einer gewaltigen Kraft, die auf der Bühne raus muss. „Deshalb mache ich Musik, diese Kraft ist mein Antrieb“, sagt Elias.
Posen und Stil – bisweilen fast theatralisch – sind ein weiteres Element, dass alle, insbesondere aber der Frontmann, auf der Bühne in Avenches nicht nur musikalisch, sondern auch optisch zu einer eindrücklichen Einheit zusammenwachsen lassen. „Wir waren jüngst in den USA. Dort lernten wir unter anderem, dass es mehr braucht, als nur das Abrocken auf der Bühne“, erklärt Gian-Andrea – und fügt an: „Die Amis stehen einfach darauf.“ Und die Attitüde steht Zero in On gut. So gut, dass sie im legendären Whisky in Los Angeles als eine von etwa fünfzig Bands, die sich dort Woche für Woche die Bühne teilen, einen echten Abräumer-Gig ablieferten. „Wir hatten zuerst etwas Respekt, weil vor uns eine Band mit Dauerwellen-Rock, wie ihn die jungen Guns’n’Roses gespielt hatten, auftrat und das Publikum echt gelangweilt rumstand. Aber wir haben es geschafft, die Leute zu packen – so dass sie nach dem Konzert noch minutenlang mehr wollten“, erinnert sich Elias. Aber die USA sind ein hartes Pflaster, das Programm in Klubs wie dem Whisky dicht gedrängt und Zugaben liegen nicht drin.“
„Ich rate dringend jeder Band, die in der Schweiz Musik macht, eine Zeit lang in die USA zu reisen. Denn dort wird einem schlicht nichts geschenkt“, sagt Elias. Mattia erinnert sich an veraltete, teils defekte technische Anlagen, sagt aber: „Ich gehe wieder. Denn die Leute, die diese Anlagen bedienen, tun das an sieben Tagen die Woche stundenlang und haben deshalb extrem viel auf dem Kasten.“ Erfahrungen von denen, so sind sich Zero in On einig, jede Band profitieren kann. Inwiefern sich diese Erfahrungen auch auf den nächsten Longplayer der drei Tessiner auswirken werden, ist noch offen. „Wir arbeiten an den ersten Songs, es wird aber noch eine Weile dauern, bis das Album ready ist“, sagt Elias. Vorerst versuchen die Jungs, wann immer möglich Konzerte zu spielen, etwa am 3. November in Brighton, UK. Und wer weiss: Vielleicht merken noch andere Schweizer Konzertveranstalter, als jene in Avenches, dass eine der möglicherweise besten Emorock-Bands der Welt aus heimischen Landen kommt…