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DJ Bobo baut auf Berner

Text: Ko:L
Bilder: Slädu/DJ Bobo
Das CD-Rad hat DJ Bobo mit «Pirates of Dance» nicht neu erfunden - aber vielleicht das Show-Rad. Mit der «Pirates of Dance»-Show kommt am Freitag eine Produktion nach Bern, die in der Schweiz, wohl gar europa- und weltweit ihresgleichen sucht. Und mit TJ Gyger und Slädu Perica nehmen zwei einen wichtigen Part in DJ Bobos Live-Crew ein, die auf trespass.ch bestens bekannt sind. «Eine Band macht die ganze Sache viel echter und lebendiger», erklärt DJ Bobo die Tatsache, dass er als Eurodance-König seit gut zwei Jahren mit einer Liveband im Rücken unterwegs ist. «Wenn ich heute zurückdenke, frage ich mich manchmal, wie blöd ich war, dass ich zehn Jahre lang ohne Livemusiker auf Tour gehen konnte.»
Zwar loben TJ wie Slädu die Möglichkeiten, die ihnen gegeben werden, sich selber einzubringen. TJ etwa erzählt von stundenlangen Diskussionen, die über dies und jenes geführt werden. Was Sache ist, entscheidet aber am Ende immer der Meister: «Wären wir im Team eine reine Demokratie, wärs eine Katastrophe», sagt Bobo klar und deutlich. «Eine Demokratie im eigentlichen Sinn würde uns nie zum Erfolg führen. Denn es ist auch eine Entlastung für die Teammitglieder, wenn sie wissen, dass sie zwar viel anregen können, aber nicht entscheiden müssen. Dafür liegt die Verantwortung für das ganze Projekt bei mir.» Das wiederum sei jene Rolle, die ihm liege. Probleme damit, Verantwortung zu übernehmen, kennt Bobo keine: «Ich war schon als zehnjähriger Captain in der Fussballmannschaft». Nun hat Bobo aber für seine laufende Tour nicht ein Jahr lang eine Fussballmannschaft zusammengestellt, sondern eine wahre Bande von Freibeutern und Seeräubern. 35 Meter lang ragt die Bühne ins Publikum, 10 Meter ist sie breit und ebenso hoch, gestaltet als riesiges Piratenschiff, das von einer 26-köpfigen Piraten-Mannschaft gesteuert wird. «In Europa hat es meines Wissens bisher nichts Vergleichbares gegeben», sagt Eddy Frühwirth nicht ohne Stolz. Frühwirth ist der Erdenker und Erbauer der «Pirates of Dance»-Bühne.
Ein Jahr hats von der Idee bis zum Tourstart gedauert, ein Jahr harte Arbeit, Tests und Proben, bis die Show mit all ihren Gadgets stand, wie sie derzeit präsentiert wird. «Da gibt es Trampoline, Kanonen, Gefechte - alles was zu Piraten gehört», freut sich Frühwirth. Er erklärt, das Ziel sei, das Publikum für zwei Stunden in eine andere Welt zu entführen: «Wir wollen Unterhaltung nahe an der Perfektion bieten. Um die Pirates-Show zu geniessen, muss man nicht unbedingt Fan von Bobos Musik sein.» Neben einer gigantischen Bühne wird eine wahre Musical-Kostümierung der kompletten Crew das Ihre dazu beitragen, das Publikum zu fesseln. Dabei muss sich Bobo nicht darauf beschränken, teure US-Glitter-Produktionen zu kopieren. Er kann auf zwölf Jahre Erfahrung und Wachstum zurückgreifen. Er gibt jedoch auch unverhohlen zu, dass die Tagesform für jeden Auftritt entscheidend sein wird: «Es ist ein ganz schmaler Grat zwischen megagenial und mittelmässig. Oft sind es Kleinigkeiten, die darüber entscheiden, wie die Show auf das Publikum wirkt.» Bereits auf der CD deutet sich an, dass die «Pirates of Dance»-Show von musikalischer Vielfalt lebt. «, oder , aber auch sind Songs, die live richtig knallen. Da und dort nehme ich sogar die 7-Saiter hervor. Da rockts», verspricht Gitarrist Slädu. Und: «Ich spiele vom Reggae über Samba zu Flamenco alles.»
Das Programm solle musikalisch stärker reinzuhauen, als auf CD. Für Bobo ist genau diese neue musikalische Komponente zur Herausforderung geworden. «Ich bin froh, dass Curtis, unser Choreograph, sich praktisch selbständig um die Tänzer kümmert, und ich mich mehr der Band widmen kann. Denn diese Aufgabe ist für mich neu und fordernd - und macht extrem Spass.» Wer gesehen hat, wie sich Bobo vor einem TV-Auftritt von Drummer Alex Vesper in die Künste das Schlagzeugspielens hat einführen lassen, der weiss, dass es dem Zentralschweizer ernst ist. Hunderttausende verkaufte Platten reichen ihm nicht, er will noch weiter kommen. «Wenn du mal Champions League spielst, wird dir das erst richtig bewusst, wenn du nicht mehr dabei bist. Das Schöne bei uns ist, dass alle auf einem hohen Niveau spielen. Ich glaube, das ist einer der Schlüssel zum Erfolg: Wir diskutieren auf einem sehr hohen Niveau darüber, wie wir noch weiterkommen könnten. Es gibt zum Beispiel kaum Eitelkeiten. Alle wissen, dass wir nur als Team Erfolg haben können.»
Ihren Ursprung hat die Zusammenarbeit zwischen dem Luzerner Dancemusiker und TJ Gyger (Keyboard) und Zlatko «Slädu» Perica (Gitarre), beide ehemalige Mitglieder der Gölä-Band, Ende 2001. Damals nahmen Bobo und Gölä zusammen den Song «Tell Me Why» auf, man lernte sich kennen und schätzen. Diese Zusammenarbeit weckte in Bobo aber auch die Lust, sich künstlerisch weiterzuentwickeln. «Mein künstlerischer Horizont reichte in den Neunzigerjahren nicht so weit, um zu erkennen, dass ich meine Musik auch mit Liveband machen könnte», sagt er heute. «Aber es war ein Weg, um nach dem Abflauen der Eurodance-Welle weiterzumachen.» Am Ende war es Göläs Bauchgefühl - «Wenn er etwas hat, dann das», sagt Bobo über den Büezer -, auf das der Dancer vertraute. «Er war sich sicher, dass ich mich mit Slädu menschlich und künstlerisch verstehen würde.» So kam es dazu, dass 2003 Slädu mit dem Schweizer Superstar auf die «Visions»-Tour ging. Und im Hinblick auf die aktuelle Tour folgte TJ Gyger letztes Jahr als musikalischer Leiter.
Die Erwartungen des Chefs an seine Oberländer Büezer sind unterschiedlich: «Von Slädu erwarte ich eine Hammerleistung an der Gitarre!» Was dem kahlköpfigen Hühnen entspricht, auch wenn er sich des Drucks bewusst ist. «Wenn du nicht gut bist, bist du raus», sagt Slädu. Er ist bekannt als ehrgeiziger Chrampfer, einer der immer sein Instrument bei sich hat, jammt und übt. «Es gibt für ihn nichts Schlimmeres, als wenn er etwas auf der Gitarre nicht kann», sagt Bobo. Das Anforderungsprofil an TJ formuliert Bobo wesentlich differenzierter: «Er muss die Bühne während der Show im Griff haben, den Überblick behalten und Inputs bringen. Er hat quasi die Rolle eines Routiniers im Fussballteam: Das Tempo rechtzeitig rausnehmen, wenn alle kopflos nach vorne eilen, aber auch zur rechten Zeit die Bälle clever verteilen und so schnelle Angriffe auslösen.» Also nicht Stürmerstar sondern Regisseur im zentralen Mittelfeld. Und Bobo? Trainer? Manager? «Ich sage ihm immer, er sei der Duracell-Hase im Team. Bobo sprüht vor Energie - und steckt damit alle an», meint TJ. «Er reisst den Karren, schaut dass alles läuft und motiviert die Crew!» Aber er fordert auch, will, dass seine Crew den gleichen Enthusiasmus für zeigt, wie er selber. Und Bobo ist der, der am Schluss die Entscheide fällt.

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25.05.2012 16:06:31 Administrator
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