Zorg machen Stimmung im Moods
Text/Bilder: Monthy
Der Name Zorg dürfte für die meisten, speziell für die meisten Deutschschweizer, ein relativ neuer sein. Dabei ist das aktuelle Between us bereits das dritte der Lausanner - und gibt Anlass zu Hoffnung. Jedenfalls bemerkte Guillaume an der Release-Party im Zürcher Moods erleichtert: "Endlich... eine Hit-Single!" Grund genug für mich, näher in Erfahrung zu bringen, ob Gitarrist und Sänger Guillaume, Sängerin Catia und Multiinstrumentalist Totor Langsamstarter seien? Guillaume gesteht: "Wir sind sogar im Leben Langsamstarter... Ich war vor diesem Album auf Reisen und als ich zurück kam, sprudelte es richtiggehend aus mir heraus. Deshalb sprach ich im Zusammenhang auch von einer Befreiung. Die zwei vorherigen Platten waren viel komplizierter, wir mussten härter dafür arbeiten als jetzt für Between us."
Gut Ding will eben Weile haben und das gilt ganz besonders für den Zorg-Sound, akustischer, sanfter und wunderschöner Pop-Rock. Guillaume: "Das ist möglich. Ich fühle mich auch wirklich am Anfang von etwas Neuem. Die Art, wie wir Songs schreiben, verändert sich. Wir werden besser. Wir arbeiten sehr viel mit unserer Musik und kommen dem, was wir machen wollen, mit jedem Album näher. Die Evolution von der ersten Platte bis zu Between us ist war für uns enorm. Die Leute kriegen das vielleicht gar nicht so mit, aber für uns war es eine grosse Entwicklung."
Catia nannte es auf der Moods-Bühne gar ein Lebensgefühl und ich mache mich daran, dieses Gefühl zu ergründen. Guillaume erklärt es mir: "Wenn du Songs schreibst, und mit akustischer Gitarre spielst, gibt es keine Rollen, in die du schlüpfen kannst, wenn du auf die Bühne gehst. Es ist einfach natürlich, pur, und so muss es auch bleiben. Wir wollen so mit den Leuten kommunizieren - ruhig, leise... Wenn die Leute dann so reagieren wie heute Abend ist das einfach wunderschön. Mit dieser Musik, wie wir sie machen, ist es möglich, richtiggehend am Leben der Leute teil zu haben. Das Album hörst du vielleicht an einem Abend mit Freunden bei einem guten Essen - es passt perfekt... diesen Bund mit den Leuten wollen wir gerne eingehen." Auch der Umkehrschluss, so denke ich, wenn ich Guillaume so zuhöre, ist wohl zulässig, also von Zorgs Musik auf die Menschen dahinter zu schliessen. Ehrliche, berührende, entwaffnende Musik...
Und dann ist wieder mal Zeit für eine blöde Frage, und zwar zum Thema Duett. Zorg haben den stimmlichen Zweiklang von Catia und Guillaume zum Prinzip erhoben und arbeiten permanent mit diesem Stilmittel, das sonst oft nur in Feature-Songs gebraucht wird. Warum gibt es das ausser bei Zorg so selten, Guillaume? - "Ich weis auch nicht... Es hat angefangen, als ich auf dem Sofa sass und Gitarre spielte. Catia sang mit, obwohl sie sonst nicht singt oder höchstens im Badezimmer. Aber sie stand nie auf einer Bühne. Bei uns hat´s einfach geklappt, wir haben zwei, drei Songs geschrieben und uns seriös damit auseinander gesetzt. Die Reaktionen der Leute waren beinahe überschwenglich und alle haben von diesen zwei Stimmen geredet. Wir haben alle drei einen speziellen Bund, aber Catia und ich ganz besonders. Ich weiss auch nicht, warum es so gut klappt, es ist irgendwie mystisch. Und es ist ein Trademark von Zorg, weil eben nicht viele Bands so daher kommen." Nach dem dritten Album hat man sich denn auch vom Begriff ´Duett´ gelöst und spricht vom Dialog der beiden Stimmen.
Ein Leben ohne Musik ist für Guillaume sowieso nicht denkbar: "Wir leben in der Musik, ich beschäftige mich täglich damit. Am Computer, an der Gitarre... Es ist mein Beruf geworden." Ein Beruf, der immer dann besonders spannend ist, wenn ein neues Werk auf die Menschheit losgelassen wird. "Between us ist seit einer Woche auf dem Markt und wir sind ziemlich gespannt. Ich bin mittlerweile 35 und habe mir schon öfter die Frage gestellt, ob ich auch etwas anderes tun könnte... Wenn ich aber aufhören würde, sässe ich zwei Tage später auf dem Sofa und würde wieder zur Gitarre greifen. Ich weiss, dass ich im Leben nichts anderes mehr machen werde. Das gilt - glaube ich - auch für die beiden anderen."
Die Hoffnungen, mit Between us auch in der Deutschschweiz Furore zu machen, sind nicht aus der Luft gegriffen. Mit Gadget und Phonag hat man Partner gefunden, die gewillt sind voll auf Zorg zu setzen. Deshalb hat man sich auch für eine Release-Party in Zürich entschieden. Guillaume: "Für uns ist es jetzt wichtig, etwas mehr Präsenz in der Deutschschweiz zu erlangen. Es ist auch das erste Mal, dass wir einen guten Deal haben und wir hoffen, dass sich einige Türen öffnen." Und das Moods war die exakt richtige Wahl für den stimmungsvollen Zorg-Sound. Das Konzert vermochte denn nicht nur das Publikum zu begeistern, sondern auch die Band: "Wenn es jedes Mal so ist wie heute, spielen wir bald jedes Wochenende in der Deutschschweiz..."