Melonmoon‘s Plastic World im Wald

Text: Sandy
Bilder: musicbild.li, Marco Finsterwald
Melonmoon am Woodrock
Irgendwie passt es doch in die Waldkulisse, wenn Melonmoon auf der mit Sternen dekorierten Bühne ihren Ohrwurm „Plastic World“ trällern und sich beim Intro auch gleich fragen „Do the birds still know their tunes?“ Die Vögel, die von oben herab dem Geschehen zusehen, wissen es vermutlich genau so wenig, wie Sänger Michael Gemmerli weiss, wie eine Plastikwelt soundet. Aber eigentlich spielt es keine Rolle, genau wie Vogelgezwitscher aufstellt, stimmt einem auch der Ohrwurm von Melonmoon glücklich. Der neue Keyboarder Daniel Wyttenbach, genannt Wytti, weiss es: „Der Sound kommt bei jedem anders an, je nach seinem Empfinden.“ Genau das macht gute Musik aus, dass jeder den Beat für sich selber spürt. Wie der Text zu diesem Hit entstanden ist, erklärt Michael: „Es ist die Geschichte von einem Menschen, der jahrelang weg war, und hier dann eine neue Welt antrifft.“ Neu seien sicher die Veränderungen in der Technik, die Hektik, aber auch das, was einfach stehen geblieben ist.
Melonmoon am Woodrock
Oben auf der Moosegg scheint die Welt irgendwie auch stehen geblieben, das ist für die Bieler Musiker neu. Sie müssen sich zuerst an die ruhige Atmosphäre gewöhnen. Michael bemerkt verblüfft: „Es ist irgendwie erstaunlich, dass es hier überhaupt einen TV für die Fussball-WM-Übertragung gibt.“ Sie seien zum ersten Mal hier und sehr positiv überrascht. „Toll, dass es überhaupt noch so kleine Festivals gibt“, sagt der Sänger. Eigentlich sind Melonmoon grössere Sachen gewöhnt. Sie standen vor Silbermond oder Milow auf den grossen Bühnen und waren am Prix Walo dabei. Stolz sind sie schon auf das, was sie in ihrem vierjährigen Schaffen erreicht haben. Und trotzdem gesteht Michael: „Für mich könnte es immer noch mehr geben.“ Sie wollen ganz klar noch weiter kommen. Denn auch bei Melonmoon sind die ganz grossen Konzerte eher Ausnahmen. Aber genau solche Sachen geben ihnen den Kick zum Weitermachen und das Wissen, dass ihre Musik die Masse begeistern könne.
Melonmoon am Woorock
Das dritte Album haben die fünf Jungs kürzlich aufgenommen, jetzt fehle nur noch der Feinschliff. „Wir sind guter Dinge und für uns tönt es ziemlich gut“, verrät Keyboarder Wytti, der übrigens erst nach dem Release der zweiten CD zu Melonmoon gekommen ist. Sie freuen sich auf ihre neue Scheibe und planen jetzt die Vermarktung mit all den finanziellen Hürden. Und dies benötigt natürlich seine Zeit. Ihr Ziel für die Veröffentlichung sei aber der nächste Januar. Michael verrät: „Es geht einen weiteren Schritt vorwärts, wird mainstreamiger und noch ein bisschen grösser, als das letzte Album.“ Auf der dritten CD wird nun auch das Keyboard als tragendes Element voll mit einbezogen. Das mache den Sound süffiger, leichter und auch kommerzieller. Wytti bemerkt mit einem Augenzwinkern: „Aber nur, wenn du gut spielst, sonst kannst du mit diesem Instrument auch alles verderben.“ Anstatt den geplanten drei Wochen, waren sie sieben Wochen im Studio. An jedem Song sei gefeilt worden. Ob wieder ein Hit darunter ist, bleibt offen. Das Rezept dafür, wissen sie nicht genau. Eigentlich kam der Airplay des Songs „Plastic World“ für sie überraschend.
Melonmoon am Woodrock
Melonmoon kommen aus Biel, wie viele andere guten Bands. Oft werden sie mit Modern Day Heroes, Pegasus oder Carnation verglichen. Ich gebe den beiden Moonern die Chance, sich für einmal abzuheben und ihr eigenes gewisses Etwas zu verkaufen. Michael weiss etwas Wichtiges: „Musikalisch sind wir sicher die mainstreamigste Band. Auch die Kompositionen sind eher für die breitere Masse gedacht.“ Wyttis Schalk kommt wieder zum Zug: „ Wir heben uns ab durch unser Aussehen!“ Geschmäcker sind zum Glück verschieden. Ich habe mir überlegt, ob ich die Woodrock-Vögel entscheiden lassen soll, schliesslich haben sie die Jungs von Modern Day Heroes hier auch schon begutachtet. Aber die fliegenden Woodrocker auf den Bäumen oben, lachen sich schon ihr Brüstchen voll ab Tomazobi. So sind wir doch einfach stolz, dass die Arbeiterstadt Biel so viele gute Musikschaffer hat, und geniessen das Können jeder einzelnen Band – ohne Vergleiche.
Melonmoon am Woodrock
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