Bastian Baker: Vom Geburtstagsfest auf 25 Festivalbühnen

16.8.2012/Text: Kaa, Bilder: on-pictures.ch
Eigentlich erwarte ich am Thunfest dieses Jahr den Quoten-Romand, oder wie soll ich ihn nennen? Es empfängt mich ein offener, sympathischer junger Mann, der sogar sehr gut Deutsch spricht. Dies kommt nicht von ungefähr, erklärt Bastian Baker: „Mein Vater ist Deutschschweizer, da ist dies überhaupt kein Problem, diese Sprache zu sprechen“. Er grinst und man sieht, dass ihm der Schalk dick hinter den Ohren sitzt. Und um die wichtigste aller Fragen gleich zum Anfang zu klären: „Nein, den Röstigraben gibt es für mich so nicht.“ Uff, da habe ich noch einmal Glück gehabt und kann mich auf das Gespräch mit dem quirligen Musiker einlassen.
Bastian Baker am Thunfest
Zurück zum Röstigraben. Dass es diesen gibt, ist unumstritten. Bastian erklärt ihn aber so: „Der Röstigraben wird ganz klar durch die Medien gemacht. Ein gutes Beispiel ist zum Beispiel die Migros Zeitung. In der französischen Ausgabe war eine grosse Story, sogar auf dem Titelbild war ich abgedruckt, aber bei der deutschen Ausgabe habe ich eine Absage erhalten, als ich anfragte, ob sie gerne ein Interview drucken würden.“ Er findets zwar irgendwie einleuchtend, aber es enttäuscht ihn auch. „Medien haben eine so grosse Kraft, da braucht man als Musiker manchmal auch ganz viel Kraft“, erklärt er. Darum habe er sich auch entschieden sich selber zu managen und alles selber zu organisieren. Der Druck sei dann manchmal schon sehr hoch und es laste ein grosser Druck auf seinen Schultern, aber dennoch sei er glücklich, selber entscheiden zu können und zu wissen, was er entscheidet wird auch so gemacht.
Bastian Baker am Thunfest
Entscheidungen waren schon immer wichtig im Leben des 20-Jährigen. So hat er schon immer gerne Musik gemacht, aber als Hobby. Eigentlich war er Eishockeypieler, ein professioneller. Sein Beruf war das Eishockeyspielen, daneben ging er an die Uni und studierte da Französisch und Geschichte. Musik war zwar das, was er liebte, aber eben nur eine Nebensache. Bis zu diesem 29. Mai im Jahre 2006. Er war auf einem Geburtstagsfest einer Freundin und zupfte an seiner Gitarre rum und die Gäste der Party hatten sichtlich Freude an seiner Musik. So auch der Vater der Jubilarin. Dieser fragte ihn dann plötzlich, ob er eigentlich einen Manager habe, der ihm helfe eine Platte herauszugeben. Bastian fiel aus allen Wolken: „Für mich war das zuerst ein Schock und ich habe mir überlegt, ob der Mann vielleicht zu viel getrunken habe.“ Dann aber realisierte er, dass diese Frage wirklich ernst gemeint ist und dieser Mann ihm Geld geben wollte, damit er seine erste CD herausgeben kann.
Bastian Baker am Thunfest
„So stand ich also da, Geld in der Tasche und nun sollte ich damit also eine CD machen, das war ein ganz komisches Gefühl“, erklärt er noch immer sichtlich gerührt. Und so fing alles an. Er nahm die Single „Lucky“ auf, hatte Freude daran und schickte sie zu den Radiostationen, weil er seine Musik verbreiten und seine Freude daran teilen wollte. Mit grossen Reaktionen hat er aber nicht gerechnet: „Ich fuhr gerade Auto und da kamen plötzlich Töne aus dem Autoradio, die mir sehr vertraut waren. Es war mein Lied. Es wurde „Lucky“ gespielt. Ich musste wirklich aufpassen, dass ich mich noch auf die Strasse konzentrieren konnte“, erzählt er und ist glücklich über den Anfang seiner Karriere.
Bastian Baker am Thunfest
So kam er zu seinem ersten Auftritt am Caprice Festival und nachdem er in Montreux auf der Bühne stand, war klar, dass er alles auf die Karte Musik setzten würde. Der Eishockeyschläger wurde in die Ecke gestellt und die Vorlesungssäle tauschte er gegen die Bühne. „Und das obwohl meine Mama, als ich ihr mit 14 erzählte, dass ich Rockstar werden wolle, gesagt hat, ich sei einfach zu wenig cool.“ Heute ist sie aber anderer Meinung und stolz auf ihren Sohn. Diesen Sohn, der eigentlich als Traum aller Schwiegermütter gilt. Dies will er aber eigentlich gar nicht. Er wird ruhig, schaut geradeaus ins Leere und erklärt: „Ich bin ein Mensch mit Ecken und Kanten, Perfekt sein ist eine Meinung und das bin ich nicht.“ Welche Ecken und Kanten er habe wurde auch prompt und klar beantwortet: „Ich bin ein total schlechter Tänzer, ich wasche nicht gerne und bin total schüchtern.“ Aha! Wir versuchen darüber zu diskutieren, ich verliere aber kläglich und er siegt mit seinem Lachen, eben diesem, welches wohl auch die potentiellen Schwiegermütter immer umhaut.
Bastian Baker am Thunfest
Warum sein erstes Album „Tomorrow may not be better“ so erfolgreich ist, erklärt sich Bastian so: „Ich glaube den Leuten gefallen meine Texte, sie berühren und kommen an. Man merkt, dass sie aus dem Herzen kommen.“ Er hat dafür sogar schon Platin bekommen. Das setzt ihn auch gewissermassen unter Druck: „Klar ist mit dieser Auszeichnung beim ersten Album ein gewisser Druck vorhanden, aber ich komme vom Spitzensport, ich weiss, wie ich mit Druck umgehen muss“, erzählt er selbstbewusst und man spürt, dass er sich ganz sicher nicht unterkriegen lässt.
Bastian Baker am Thunfest
Ende dieses Jahres soll sein zweites Album herauskommen. Wie es heisst, kann er noch nicht sagen, aber viele Songs stehen schon – sie handeln grossmehrheitlich von der Liebe und ich habe grosse Freude daran. Dass das Musikbusiness aber auch harte Arbeit ist, ist dem jungen Musiker bewusst und er weiss, dass er sich nun nicht auf dem Erfolg seiner ersten CD ausruhen kann. „Ich weiss, dass nun noch viel mehr Arbeit auf mich zukommt. Musik kann an einem Tag total erfolgreich sein und man kann in allen Höhen schweben, während man am anderen Tag wieder unsanft auf dem Boden landet“, erklärt er und man hört heraus, dass er weiss, wovon er spricht. Angst davor hat er aber nicht, denn Musik ist das, was er liebe. „Und solange ich jeden Morgen mit einem Lächeln auf dem Gesicht aufstehen kann, passt das Leben als Musiker für mich.“ Er nimmt wohl genau dieses Lächeln schon wieder hervor, ich verabschiede mich vom Romand und freue mich auf das Konzert, welches ich eine gute Stunde nach dem Gespräch hören kann. Ein buntes Bouquet guter Musik von einem jungen Mann mit weissem T-Shirt, auf welchem eine Frau abgebildet ist, die jemandem eine Kusshand zuwirft…
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