Resli Burri in Weyermanns Montagslokal
Text/Bilder: Monthy
Ich hätte es eigentlich besser wissen müssen. Trotzdem hatte ich mir einige Fragen für dieses nicht ganz alltägliche Treffen bereit gemacht. Adrian Weyermann aber, der zum nunmehr siebzehnten Mal am Montag für ´n Appel und ´n Ei zum Musikertreff ins El Lokal geladen und dazu den Ex-Patent-Ochsner, heute Mitglied der Trois Suisses, Resli Burri aufgeboten hatte, nahm mir mit ausführlichen Moderationen und interessanten Geschichten zwischen den Songs den Wind aus den Segeln. So erfuhr ich unangemessen früh, dass die ursprüngliche Begegnung der beiden anlässlich eines Theaterstückes an derselben Gessnerallee stattfand, an der auch das El Lokal steht und sie an diesem Montag Abend wieder zusammen gefunden hatten.
Umformuliert lautete meine erste Frage im Talk nach dem Gig also, was denn Adi W. und Resli B. musikalisch verbinde. Adi überlegt erst mal: "Ich glaube, das sind zwei recht weit entfernte Welten. Irgendwie sehe ich mich, seit ich dies hier betreibe, aber sowieso als Musikant, der mit jedem zusammen spielen können muss. Man sucht solche Begegnungen dann auch und Resli war mir immer im Kopf, weil er verschiedene Seiten hat und so viele Instrumente spielt." Im Konzert hatte Adi noch über den Jahrgang von Reslis Solo Boum! gescherzt: "1985? 1974?" Ich konfrontiere Resli nun damit, dass ich selbst ebenfalls keine Ahnung hätte und auch sonst nicht so auf dem Laufenden sei, was den Res Burri angeht. Er lacht: "1991 wars... Und dann gleich acht Jahre Ochsners, und auch Les Trois Suisses haben übrigens in dieser Zeit schon begonnen. Das passierte damals alles ziemlich zeitgleich. Es hat sich dann bald zwangsläufig auf Patent Ochsner fokussiert, weil diese Band bei zehn Mitgliedern halt schon eine Exklusivität fordern muss. Da kann nicht noch jeder private Projekte nebenher betreiben. Mir hat das sehr gefallen, ich hatte ja vorher mehr ´umegrümmschelet´ und war dann mit einem Mal in grossen Sälen, an Festivals. Das war sehr eindrücklich, hat dann aber nach acht Jahren doch begonnen, sich zu erschöpfen. Danach habe ich mich wieder mehr für kleinere Sachen zu interessieren begonnen, wollte etwas aufbauen und weil Les Trois Suisses über die Jahre immer wieder vertröstet worden war, habe ich nach dem Ausstieg bei Ochsners 2000 dort weiter gemacht."
Ich mag mich an einen Gig von Ochsners erinnern, als plötzlich das gesamte eigene Set umgeschrieben worden war. Les Trois Suisses sind auch eher spontan und dass Adi Weyermann mit seinen Gästen nicht gross proben kann, fordert deren Flexibilität. Ich frage Resli, ob ihm Improvisation schon immer nahe gewesen sei? - "Improvisation wäre ein bisschen viel gesagt, die Formen sind doch relativ klar. Ich bewege mich immer in einfacher Musik und man spricht das Arrangement ja schon ab. Manchmal ergibt sich überraschend etwas und wenn man ´gschpürig´ genug ist, kann man darauf einsteigen. Solche Sachen sind immer interessant, aber ich würde es noch nicht als Improvisation bezeichnen. Jedenfalls nicht total frei, sondern eben in Formen, die ich ganz gerne mag." Adi nimmt den Faden gleich auf und erklärt mir anhand des konkreten Beispiels, was in der Vorbereitung auf ein Montagslokal so läuft: "Wir hatten uns insofern abgesprochen, dass ich ihm eine CD geschickt hatte und Cords hatten wir aufgeschrieben. Aber wo wir dann genau hingehen? Was ich im Zusammenspiel mit immer neuen Leuten gemerkt habe, ist dass ein Song, beim ersten kompletten Durchspiel eine besondere Magie hat, auch wenn er noch voller Fehler ist. Bis dieses gewisse Etwas dann wiederkommt, braucht es fünf-, sechs-, vielleicht sogar achtmaliges Wiederholen. Das erhoffe ich mir jeweils von diesen Montagskonzerten und es hat heute auch wunderbar gespielt."
Die spontane Art des Musizierens im Montagslokal hilft Adrian Weyermann, musikalisch immer noch besser zu werden: "...extrem! Manchmal könnte ich mich ohrfeigen, dass ich damit nicht schon vor zehn Jahren angefangen habe. Damals war man halt noch in einer Band, hatte das Gefühl, das sei das Ein und Alles... In diesem halben Jahr Montagslokal - ziemlich genau auf den Tag übrigens - musste ich mit so vielen Situationen dealen, in denen im Moment etwas Neues entsteht und an diese Momente erinnere ich mich oft zurück. Wir nehmen hier ja auch alles auf, aber wenn ich die Aufnahmen höre, ist es manchmal nicht so, wie ich es in Erinnerung habe. Das wichtigste sind eben diese Vibes, wenn ich merke, jetzt hatte der eine Idee und deswegen ist eine andere Idee entstanden." Mit Resli Burri waren dem kreativen Faktor an diesem Abend denn auch kaum Grenzen gesetzt. Brachte er doch nicht nur seine Skills an Piano und Vibraphone ein, sondern spielte auch Cajon oder gar die Singende Säge. Adi meinte bewundernd: "Jedenfalls ein rechtes Arsenal an Sachen. Vor allem der Bass war der Hammer..." Dieser sah aus wie ein Bambusstock und tönte gar nicht so wie er aussah (siehe Bild unten).
Resli meint dazu: "Es hat Sachen in dieser Sammlung, die haben heute Abend einfach so richtig gepasst. Mit den Instrumenten, die ich da... - ´weisch, es isch ja mee es Chaflä aus es Beherrsche, auso freiä Dilletantismus isch da aagseit oder´ - Es gefällt mir extrem und interessiert mich, Sachen zu spielen, die ich eigentlich gar nicht spielen kann. Ich hätte noch die Klarinette mitnehmen können und ein paar Instrumente mehr. Damit arbeite ich auch in der Dreigroschenoper, weil ich es interessant finde, verschiedenste Klänge zur Verfügung zu haben. Ich habe dafür auch nicht den Anspruch, das zu können. Also, ich spiele ein Cajon, das den Beat bringt, bin aber kein Drummer. Eigentlich ist das eine Zumutung! Weisst du, ich bin ja nicht steady und schicke mit diesem Ding trotzdem Pauken und Snare raus, imitiere irgendwelche Schlagzeugtiere..."
Adi unterbricht seinen heutigen Montagslokal-Gast mit einem unter Multi-Instrumentalisten wohl bekannten Scherz in aktueller Version: "...aber für einen Pianisten bist ein verdammter guter Schlagzeuger!" Resli, der vorher richtig in Fahrt gekommen war, führt nach angemessener Pause zum Lachen und Luft holen weiter aus: "Ich bin dann einfach sehr vorsichtig dadurch, höre viel mehr zu, bin etwas limitiert und muss mich aufs Wesentliche konzentrieren. Das ist eigentlich auch die Grundidee!" Das Konzert brachte trotz unter den Scheffel gestelltem Licht Resli Burris die von Adi angetönte Magie in die gutbesuchte Stube. "Waltzing Matilda" mit herzergreifendem Charme, Reslis "Outo" endlich mal live, "Strawberry Fields" oder Songs von Crowded House. Nicht fehlen durfte auch die tausendunderste Version von "Crying John" - Adi: "Es war die siebzehnte Version im siebzehnten Montagslokal..."