Gustav öffnete das Herz des Vogellisi

Text: Sandy
Bilder: musicbild.li
Gustav live am Vogellisi Festival Adelboden
„Duf dis Herz, duf dini Hand, louft uf dim Weg am Glück entlang“, singt Gustav auf seiner aktuellen Single „Di Weg“. Für alle Nicht-Freiburger: „Dufe“ heisst ganz einfach „öffnen“. - „Ich bin auf dem Weg, auf dem ich sein möchte“, stellt Gustav mitten in der herrlichen Bergwelt von Adelboden fest. Sein fünftes Album, welches im August erscheinen wird, und die neue Tour geben dem Musiker ein sehr gutes Gefühl. „Die Songs sind lange ‚geknetet’ worden. Ich konnte mit guten Leuten zusammenarbeiten und habe ‚huere fröid’, die CD endlich herausgeben zu können“, umschreibt Gustav sein musikalisches Glück. Eineinhalb Jahre Arbeit und Herzblut stecken darin. „Ich bin auf dem Weg Rockstar zu werden“, sagt der Witzbold und strahlt mit seinen Schalkaugen eine gewisse Ironie aus.
Gustav live am Vogellisi Festival Adelboden
Der Text von „Di Weg“ wurde ungewöhnlicherweise in Gustav’s Freiburger Dialekt geschrieben. Er ist bereits ein Radio-Ohrwurm und hat auch seinen Platz in der Hitparade gefunden. Und es wäre nicht Gustav, wenn es dasselbe Stück nicht auch in einer französischen Version gäbe. Der Hit kommt fröhlich daher, wird begleitet von einem Akkordeon und hat ein wenig Chanson-Stil. „Di Weg“ ist aber nicht der erste Mundartsong von Gustav. Schon als „Goof“ habe er einen geschrieben. „Hieuf nötig“ habe dieser geheissen. Damit wollte der junge Musiker die Welt verändern. „Als ich begann, Musik zu machen, hörte ich ziemlich viel Mani Matter. Der Liedermacher hat mich schon in der Kindheit beeinflusst“, verrät Gustav. Sein neuer Produzent Andi Hug von Patent Ochsner, habe ihn darauf aufmerksam gemacht, Mundart zu singen. „Ich will nicht“, war die erste klare Antwort des Freiburgers zu dieser Idee. Gleichwohl habe er es dann versucht. Aus dem ersten Song wurde nichts, der zweite war ein wenig besser und so habe es eine Sogwirkung gegeben. „Ich habe viel Spass, mit meinem Dialekt zu arbeiten. Die Sprache ist nicht alltäglich und sie hat extrem viel Potential für Wortspielereien, weil es ein schräger Dialekt ist.“ Der Musiker gibt dem Ganzen noch einen anderen Nenner: „Er ist sehr nahe beim Herz und das ist das Wichtigste.“ Er habe bei seinen Auftritten gemerkt, dass das Publikum bei Mundartsongs eine extreme Nähe spürt.
Gustav live am Vogellisi Festival Adelboden
Gustav ist ein Sprachgenie: Neben seiner Neuentdeckung Mundart singt er auf Französisch, Italienisch und vor allem in Hochdeutsch. „Die Melodie und der Rhythmus sind zuerst in meinem Kopf. Dann merke ich sofort, welche Sprache dazu gehört“, sagt Gustav, korrigiert sich aber auch gleich: „Früher war das so: Da wusste ich, diesen Song kann ich unmöglich auf Hochdeutsch singen. Aber Mundart ist jetzt viel praktischer. Mein Dialekt hat Abfärbungen zum Französischen und passt so besser.“ Lachend fasst er zusammen: „Ich bin jetzt unbeschwerter bei der Auswahl der Sprache.“ Für den zweisprachigen Freiburger mit welsch sprechenden Bandmitgliedern ist es jedoch wichtig, weiterhin in beiden Sprachen daheim zu sein. Englisch, Spanisch oder Italienisch seien mehr spontane Spielereien.
Gustav live am Vogellisi Festival Adelboden
Die neue CD von Gustav trägt den besinnlichen Titel „Les jardins de mon coeur“. Der Freiburger erwähnt dazu nochmals die sehr gute Zusammenarbeit mit dem Produzenten Andi Hug. „Er hat meinem Weg von Beginn an Schranken geben können“, sagt Gustav dazu. „Für mich kann eine CD nicht vielseitig genug sein. Für den Hörer wird es dann aber zuviel. Andi wies mich jedes Mal zurecht, wenn ich überbordet bin“, beschreibt der Musiker das Teamwork und verrät: „Sehr bunte, aber auch stachlige Blumen blühen in meinem Herzgarten – einfach wunderschöne.“ Er sei sehr ein visueller Mensch. „Wenn ich Musik mache, habe ich eher Bilder vor den Augen und weniger Situationen. Aus diesem Bild wachsen und blühen Songs“, philosophiert der Musiker. „Ich habe bei der Produktion immer ein Herz vor den Augen gehabt, aus dem eine Pflanze spriesst“, sagt er als Erklärung zum CD-Cover. „Ich wusste, auf dem Album wird dieses Herz alles zusammentragen. In jedem Lied kommt das Wort Herz vor, oder es hat etwas Herzliches darin“, erklärt der Songschreiber weiter. Spontan sei ihm aus der Pflanzenwelt der Magnolienbaum am Nächsten. Es gibt einen Song darüber: „’Magnolien im Mai’ ist meine erste Ballade. Es ist sehr ein zarter und feiner Song.“
Gustav live am Vogellisi Festival Adelboden
Die Live-Gigs von Gustav sind geprägt von einer lebendigen Show. Privat sei er dafür äusserst ruhig. „Wenn ich nicht die Bühne hätte, wäre ich wohl einer, der Feste feiert und so die Leute unterhält. Das Ventil Bühne habe ich schon vor Jahren gefunden. Dort kann ich alle Sachen rauslassen und so mein Unterhaltungsbedürfnis mit Humor und Spektakel sättigen“, erzählt der Entertainer. Mit der neuen CD habe Gustav erstmals versucht, Lieder zu komponieren, welche die Leute auch via CD-Player hören können und nicht nur Bestandteil seiner Live-Show sind. Vorher habe er die Songs nämlich eher für die Bühne geschrieben. „Erst nach ein paar Konzerten merke ich jetzt, wie ich die neuen Lieder hinüberbringen kann. Einige sind eher traurig, aber passen sehr gut zu den alten schrägen Songs. So gibt es eine gute Mischung“, sagt der Musiker zu seinen ersten Erfahrungen auf der neuen Tour.
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