Melonmoon - schauen trotz Retro nach vorn
Text/Bilder: Monthy
Obwohl Szenen in der heutigen vernetzten Welt normalerweise ortsunabhängig sind, scheint es immer noch Regionen zu geben, die dem einen oder anderen Musikstil ganz besonders nachhängen. Biel und der Retro-Rock sind solch eine Kombination, die offenbar ganz gut zusammen gehen. Vor Melonmoon haben insbesondere Pegasus für Furore gesorgt - den gleichen Stil spielen in der Region aber auch noch die Modern Day Heroes oder Carnation. Was hat es also mit dem verliebten Blick in den Rückspiegel und der Uhrenstadt genau auf sich? Sänger Michael Gemmerli weiss es: "...auch nicht so genau. Es hat tatsächlich viele motivierte Bands, die schon lange diesen Musikstil spielen. Ich war selbst früher bei Carnation dabei. Bensch müsste man vielleicht auch noch erwähnen, die in nächster Zeit ein sehr starkes Album am Start haben. Die Szene blüht, mit neuen Releases von Pegasus und Carnation könnte auch das nächste Jahr sehr wohl ein Bieler Jahr werden!"
Pegasus haben insbesondere mit einem DOK-Auftritt im Klanghotel von SF DRS die Leaderposition beansprucht. Hat man bei Melonmoon auch mit etwas Neid auf deren "Glück", das immer auch erarbeitet werden will, reagiert? Schliesslich könnte es ja sein, dass es nur Platz für einen Band aus dem Sektor hat? Michael: "Ich denke nicht... Ich mag es ihnen wirklich von Herzen gönnen. Es ist eine gute Sache für Pegasus. Sie hatten sicher damals einen kleinen Bonus wegen ihres Alters. Im Durchschnitt waren die Jungs ja nur etwa 15 als sich ihnen die Chancen eröffnet haben. Aber Pegasus sind tatsächlich auch eine der besten Bands im Lande überhaupt..." Auf der anderen Seite zeigen die Erfolge auch, dass der Stil Potential hat. Oder ist "Retro" doch eher nur eine Modeerscheinung? - "Nein. Alle Bands, die wir jetzt gerade aufgezählt haben, gehen eigentlich nicht einem Modetrend nach, sondern hätten ihre Songs eigentlich auch schon in den 60er, 70er Jahren machen können. Vielleicht ist hier und da eine technische Verbesserung mit drin, aber von den Strukturen her sind - vielleicht mit Ausnahme von MDH - doch alle ziemlich auf die 60er fokussiert."
Im Zusammenhang mit Melonmoon hört man etwa auch, sie würden "englischen" Sound machen. Nun geht das stark Hand in Hand mit dem Retro. Denn der Sound der 60er, den man wiederbeleben will, stammt nun mal zum grossen Teil von der Insel. Oder schwingt da eventuell noch etwas anderes in den Melonmoon-Songs mit? Michael muss nicht lange überlegen: "Ja, schon. Damals bei Carnation, ganz früher Darkstar, waren alle Oasis-Fans! Es war eine enormer Einfluss für uns als Band. Fürs letzte Melonmoon-Album wollten wir etwas davon weg kommen. Fürs nächste konzentrieren wir uns stärker auf die fetten Sounds, wollen breiter und mächtiger daherkommen. Oasis ist nach wie vor eine Referenz, die man bei uns nennen darf."
Ko:L qualifizierte die 12 Songs des Album "Giants & Dwarfs" als "unscheinbare Popnummern, die sich dann langsam aber stetig ins Gehör hinein fressen" - ich nutze die Gelegenheit nach zu fragen, ob Melonmoon so ein Feedback öfter mal erhalten? - Michael: "Es ist noch so schwierig zu sagen... Wir haben viel Feedback erhalten, hauptsächlich positiv. Das Album ist zurückhaltend produziert und es kann gut sein, dass man es mehrmals hören muss, bis man ganz drin ist. Beim nächsten soll es dann ein bisschen anders sein in dieser Hinsicht." Die attestierte Unscheinbarkeit stört Melonmoon also nicht? - "Nein, das war schon so gewollt. Es ist sicher noch mehr da. Und das haben wir auch schon mit dem Titel zu vermitteln versucht." Zwerge, die sich zu Riesen entwickeln - verstehe ich in dem Zusammenhang und nicke anerkennend.
Der Bandname der jungen Seeländer tönt schon so ein bisschen nach "Melodie" - "Melonmoon"... - nur ein Zufall? Michael gibt zu: "Es ist wohl ein Zufall, aber es hat auch etwas. Das Melodiöse ist bei uns mit das Wichtigste. Schöne Melodien sollen Melonmoon ausmachen." Und dann ist da noch etwas mit dem Namen. Aber die Verbindung ist so vage, dass ich sie kaum herzustellen wage. Melonenmond ... - Honigmelonenmond? Michael: "Ganz ehrlich - das ist genau so... Wir haben damals lange überlegt, als wir einen Bandnamen brauchten... Säschu (Gitarrist) und ich mögen beide das Album von Büne Huber so sehr, dass wir das irgendwie übersetzen wollten. 'Honeymelonmoon' hat uns dann aber schon ein bisschen too much gedünkt. Aber Melonmoon hat sich dann ergeben..."
Am Dietiker Showcase, der 4. Night of Music des Label Fettes Haus, durften Melonmoon nun neben namhaften Acts Kaliber Rickenbacher, MeyerPortmann, Caroline Chevin oder Myron auftreten. Wo sehen sich die Jungs im Vergleich mit diesen Acts etwa? - Michael: "Wir sehen uns schon immer noch am Anfang... Das nächste Album ist für uns auch eigentlich erst das erste richtige Melonmoon-Album. Beim Debut war es mehr noch eine Suche. Man merkt das schon nur von den Stilen her. Da spielte oft ein poppige Note mit hinein, manchmal gar etwas Country. Wohingegen das neue Materiel eine klare Richtung hat." Eigentlich ist es ja eine besondere Chance, als der weniger bekannte Act am Showcase aufzutreten. So kann man nämlich erst richtig auffallen... Michael: "Das hoffen wir natürlich, ja! Es ist einfach immer schön. Wir haben letztes Jahr zum Beispiel einen Akustik-Songcontest gewonnen, was wir nicht erwarten konnten. Positive Überraschungen sind immer besonders erfreulich, auch wenn wir eh immer 120 % geben." Ist ein Showcase im Vergleich mit einem Contest für eine Band überhaupt entspannter oder ist jeder Auftritt ähnlich aufregend? - "Es sind trotzdem von unserem Booking und vom Label viele wichtige Leute da... - also ist die Anspannung auch hier ab rund dreissig Minuten vor dem Gig vorhanden."