YRU leben von Luft und Liebe

10.09.2012; Text: Nico, Bild: Promo
Die Berner Band YRU machte im Jahre 2008 durch ihre Free-Hugs-Campaign auf sich aufmerksam. Der Schlagzeuger verteilte im Videoclip "free Hugs" oder zu Berndeutsch "gratis Umarmige" unterlegt mit dem „Song for everyone“ ergab dies den Videoclip der Singleauskopplung ihres ersten Albums „Follow the Lights“. Der Clip zaubert einem ein Lächeln ins Gesicht. Die Bernerinnen und Berner freuten sich über die Umarmungen und die Band freute es, dass es ihr Songs zu Roboclip (SF 2) und Swizz Mix (VIVA) schaffte und von diversen Radiostationen gespielt wurde. Einige Jahre und fast drei Alben später trafen wir die Sänger Stefan und Schlagzeuger Philipp, von YRU – die sich musikalisch gesehen mit keiner anderen Schweizer Band vergleichen lassen - zum Interview.
Promobilder von YRU
Die sechs Künstler hinterfragen so einiges. Und ihre Songs regen zum Nachdenken an. Philipp erklärt dies selbst so: „Schon der Band Name, Why are You - wieso bist du,, wieso seid ihr? - regt zum Nachdenken an. Wir sind der Überzeugung, dass unsere Gesellschaft sich in eine falsche Richtung bewegt, wir möchten da ein bisschen gegen steuern und Gedankenanstösse geben.“ Sänger Stefan fügt hinzu, dass die Texte sehr persönlich sind und es ihm wichtig ist, dass die Botschaften draussen ankommen. Bei den philosophischen und oftmals anspruchsvollen Aussagen (auch zwischen den Zeilen) ist dies nicht immer so einfach. Die beiden verraten mir, dass sie beim neuen Album – welches nächstes Jahr erscheinen wird – etwas weniger philosophisch daher kommen möchten.
Live-Bilder von YRU
Mehr zum neuen Album später. Erst einmal möchte ich wissen, was nach der ersten CD und in diesen vier Jahren dazwischen passiert ist. „Wir hatten die Möglichkeit eine Woche nach Deutschland zu gehen und dort sehr viele Konzerte zu geben. Das brauchte viel Zeit und Vorbereitung… Es passierte schon immer wieder etwas, wie beispielsweise Auftritte oder Fotoshootings“, so Stefan. Im Jahr 2010 erschien das zweite und aktuelle Album „Punkrock & Butterflies“ und Philipp fügt hinzu: „Zu „Probably“ haben wir ein Video heraus gegeben. Das war ein Versuch mit einem Kumpel der damals angefangen hat, Filme zu drehen. Das war eher just for fun. Aber jetzt sind wir an einem Video zu „Still a Capitalist“, dem Titelsong des neuen Albums.“
Promobilder von YRU
Diesen und drei weitere Songs könnt ihr euch auf mx3.ch bereits jetzt anhören. Weshalb es die vier Promo-Songs jetzt schon zu hören gibt, erläutert Stefan wie folgt: „Einerseits ist es ein Vorgeschmack für die Hörer aber auch für uns, damit wir etwas haben, an das wir uns halten können... Zum Weiterarbeiten.“ Philipp nickt zustimmend und ergänzt: „Ja und es ist bestimmt auch wegweisend für uns. Nach 6 Jahren erfinden wir uns neu. Der Sound wird völlig anders, als auf dem letzten Album. Der war schwer und melancholisch und die vier Lieder als Vorgeschmack auf das neue Album sind fröhlicher… Das neue Album „Still a Capitalist“ wird nicht mehr so schwer zugänglich sein, wie „Punkrock & Butterflies“.“ Doch die Melancholie werden sie trotz allem nicht ganz ablegen. Aber hört doch einfach selbst rein und bildet euch eure Meinung.
Live-Bilder von YRU
Genau so schwierig, wie es ist, die Band mit einer anderen Schweizer Band zu vergleichen, genau so schwierig ist es, die Musikrichtung von YRU zu beschreiben, darum überlasse ich diesen Part Philipp: „Es ist eben weder Psychedelic-, noch Alternativ-, noch Indierock. Es ist Musik mit vielen Elementen aus den 70er Jahren. Psychedelic mit der Hammond-Orgel, mit einem Schlagzeug das nach 70er Jahre klingt und mit einer Rhythmus-Gitarre, die den Boden gibt. Und dennoch spielen wir keine 70er Jahre Musik.“ Einerseits schön, weil man einzigartig ist, andererseits aber auch schwierig weil man so nicht auf ein bestimmtes Zielpublikum anspringt. „Wir können keine Fanbase anpeilen, wir können nicht sagen, wir spielen Punk und alle Punker holen wir jetzt ab. Wir haben an unseren Konzerten zum Teil 60jährige Zuhörer und dann spielen wir wieder vor 14jährigem Publikum.“, erklärt Philipp weiter.
Promobilder von YRU
Das Nicht-Schubladisieren-Lassen mag das eine Problem sein, weshalb man trotz einzigartigem Sound so wenig von den Berner Jungs hört. Das fehlende Management ist bestimmt ein weiterer Grund, weshalb viele Türen verschlossen bleiben. „Wir haben bis jetzt 6 Jahre lang alles Homemade gemacht, wir haben nie eine Agentur angefragt oder eine Plattenfirma angeschrieben. In diesem Sinn kommt der Schritt, dass wir externe Hilfe brauchen in Form einer Agency.“, gesteht Philipp und Stefan wirft ein: „Sind wir ehrlich, es ist nie einfach, jeder muss immer wieder kämpfen, dass er ein Stück von diesem kleinen Kuchen abbekommt. Heute sind es Pegasus und 77 Bombay Street.. und ich hoffe auch, dass wir einmal an der Reihe sind (beide lachen).“ Da kann ich ihnen nur zustimmen, das hoffe ich auch für die Band, die ihr Sitzleder nun schon lange unter Beweis gestellt hat.
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